Darabos und die Gießkanne

3. August 2012, 17:00
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Die goldene Abendsonne küsste hinter ihm die London Bridge, während der Politiker die komplette Umkrempelung des heimischen Sportförderwesens versprach

Unsere Olympia-Sportler haben, vielleicht ohne es zu bemerken, etwas furchtbar falsch gemacht. Sie haben sich vom ÖOC nigelnagelneue Sakkos anmessen lassen. Sie sind wie vorgesehen nach London gereist. Dort sitzen sie - wenn sie nicht gerade aus einem laufenden Bewerb ausscheiden - im "Österreicher-Haus" herum und genießen die herrlichen Schmankerln aus heimischem Anbau. So weit, dachte man, läuft alles nach Plan.

Falsch gedacht: Sportminister Norbert Darabos (SPÖ) ist jetzt der Kragen geplatzt. In der ZiB 2 von Lou Lorenz-Dittlbacher zur Rede gestellt, gefiel sich Darabos in der Rolle eines Reformers, der eine blütenweiße Trainingsbluse trägt. Die goldene Abendsonne küsste hinter ihm die London Bridge, während der Politiker die komplette Umkrempelung des heimischen Sportförderwesens versprach. Kein Stein solle auf dem anderen bleiben. Die "Dach- und Fachverbände" werden es mit Sorge vernommen haben: Darabos' schmuckes Jäckchen lässt auf gezieltes Ausdauertraining schließen.

An einem heiklen Punkt zeigte der Minister historisches Bewusstsein. Es sei sinnlos, "mit der Gießkanne" über alle "drüberzufahren". Gemeint hat Darabos nicht die Züchtigung renitenter Kleingärtner, sondern die Konzentration vorhandener Fördermittel auf einige wenige. Aber sprach nicht einst auch ein Kulturstaatssekretär über "die Gießkanne, die nicht alle befriedigen" könne? Unsere Sportler, die ohnehin an ihrer Intelligenz schwer zu tragen haben, müssen jetzt auch lernen, auf die Liebkosung durch Gartengeräte zu verzichten. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 4./5.8.2012)

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