Rolf Holub - Grüner Einzelkämpfer als Aufdecker

Kopf des Tages2. August 2012, 18:28
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Dieser Mann ist den Mächtigen tatsächlich im Weg. Nein, da handelt es sich nicht um Wahlwerbung für die Freiheitliche Partei in Kärnten. Damit ist der grüne Einzelkämpfer Rolf Holub gemeint.

Nur seiner Beharrlichkeit ist es zu verdanken, dass unzählige Skandale rund um den Verkauf der Hypo Alpe Adria aufgedeckt wurden und endlich von den Gerichten aufgearbeitet werden.

Wie der jüngste Skandal um illegale Parteispenden über das Birnbacher-Millionen-Honorar, dessen politische Sprengkraft letztlich die Parteichefs von FPK und ÖVP, Uwe Scheuch und Josef Martinz, hinwegfegte.

Doch Verbissenheit ist dem Widerstandsgeist gewissermaßen in die Wiege gelegt. Schon den Vorsitz des letzten und effektivsten von drei Hypo- U-Ausschüssen im Kärntner Landtag musste er sich erkämpfen. Und es war - seltsam genug - auch hier der verblichene Jörg Haider gewesen, der dem Berufskabarettisten und Musiker den Anstoß gab, in die Politik zu gehen.

2002 sollte Holub mit anderen den Kulturpreis des Landes Kärnten für sein Projekt "Der Kärntner Kleinkunstdrache" erhalten. Kulturreferent Haider zahlte den Preis zwar aus, den Namen Holub ließ er aber streichen. Der Verblichene soll sich über Holubs kritischen Song The sun of the beach heftigst alteriert haben.

Von den Alternativen "auswandern" oder "in die Politik gehen" wählte Holub Letztere. 2003 wurde er grüner Gemeinderat in Klagenfurt, 2004 zog der mit treffsicherem Humor gesegnete Pointenschleuderer in den Kärntner Landtag ein. Dort werkt er bis heute als bunter Vogel mit bitterernstem Hintergrund.

Und ernst ist es dem heute 52-Jährigen, der verheiratet und Stiefvater einer Tochter ist, mit den Grundwerten des Lebens. Da gehören auch die Flüchtlinge dazu. Als eine Gruppe aus der berüchtigten Sonderanstalt für mutmaßlich kriminelle Asylwerber ins Flüchtlingsreferat nach Klagenfurt geflohen war und prompt aus der Grundversorgung flog, organisierte Holub noch am selben Tag private Unterkünfte für die Gestrandeten. Die damals erfolgte Gründung des Komitees für mehr Menschlichkeit und Toleranz geht auch auf Rolf Holub zurück. Gedankt haben ihm das die Kärntner Grünen nicht. Man drängte ihn als Landessprecher hinaus, weil die ganze Aufdeckerei nicht alleiniger grüner Inhalt sein dürfe. Holub nahm es gelassen. Es gibt ja noch das Kabarett und die Musik - und sein altes Haus am Wörthersee, das einst Gustav Mahler bewohnte. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 3.8.2012)

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    Rolf Holub leistete als Aufdecker in Kärnten ganze Arbeit.

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