"Dieser Kampf hat einen Sinn"

23. Juli 2003, 14:18
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Franz Medwenitsch, Geschäftsführer des Verbands der Österreichischen Musikwirtschaft, im Webstandard-E-Mail-Interview über Internet-Tauschbörsen, Raubkopien und rechtliche Konsequenzen für UserInnen

Der Kampf der Musikindustrie gegen den kostenlosen Tausch von Musiktiteln im Internet wird im härter. In den USA sollen mittlerweile neben den Dienstanbietern auch schon hunderte NutzerInnen der Online-Tauschbörsen verklagt werden (der Webstandard berichtete), auch in Deutschland hatte ein Student schon mit rechtlichen Konsequenzen zu rechnen (der Webstandard berichtete).

In Österreich

In Österreich vertritt die IFPI Österreich als Verband der Österreichischen Musikwirtschaft seine Mitglieder in allen firmenübergreifenden Fragen. Zu den Mitgliedsfirmen von IFPI Austria zählen österreichische Independents ebenso wie die Tochterfirmen der weltweit tätigen Musikunternehmen. Ein Hauptziel des Verbandes ist die Bekämpfung von Musikpiraterie.

Wie das erreicht werden kann, was die UserInnen in Österreich erwartet und noch einiges mehr erklärt Dr. Franz Medwenitsch, Geschäftsführer des Verbands, im folgenden Webstandard E-Mail-Interview.

Eine der Hauptaufgaben der IFPI Österreich ist die Bekämpfung von Musikpiraterie. Es scheint allerdings, dass jeder der geschlossen "Tauschbörsen" mehrere neue folgen, auch kopiergeschützte CDs werden zumeist schnell geknackt. Kann dieser Kampf also Früchte tragen?

Künstler, Kreative, Labels, alle die mit Musik ihren Lebensunterhalt verdienen, sind auf den Schutz des geistigen Eigentums angewiesen. Darauf beruht die gesamte Musikbranche (aber auch andere Kreativbranchen, wie Film, Games oder Software) und daher muss die Bekämpfung von Musikpiraterie immer eine Priorität sein, offline ebenso wie online. Natürlich hat dieser Kampf einen Sinn, denn er signalisiert eines ganz klar: Stiehlst du geistiges Eigentum etwa durch Up- oder Downloads in p2p-Diensten oder durch Raubkopien, setzt du dich ebenso dem Risiko eines Gerichtsverfahrens aus wie bei jedem anderen Diebstahl.

Sowohl in den USA als auch in Deutschland wurden bereits NutzerInnen von P2P- Tauschbörsen mit rechtlichen Konsequenzen konfrontiert, vor allem StudentInnen waren von hohen Geldstrafen betroffen. Wird nun auch die IFPI Österreich "mit härteren Bandagen" kämpfen, haben einzelne österreichische PrivatuserInnen von Tauschbörsen mit rechtlichen Konsequenzen zu rechnen?

Wir wollen erreichen, dass Musik legal konsumiert wird und dass Kreative und Labels ein faires Entgelt für ihre Arbeit und für ihren finanziellen Einsatz bekommen. Daher informieren wir über Musik im Internet, etwa auf der neuen Website pro-music.org, daher Versenden wir Informationsbroschüren über Copyright und IT-Sicherheit an Unternehmen, Institutionen und Universitäten, daher betreiben wir so intensiv wie möglich Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Wird das alles ignoriert, bleibt als letzte Konsequenz manchmal nur mehr der Gang zu Gericht. Auch wenn es zielführender ist, Diensteanbieter zu klagen, darf eines nicht übersehen werden: durch illegale Up- und Downloads verletzt der einzelne User Gesetze und verschafft sich einen finanziellen Vorteil, indem er Musik bezieht und dafür nichts bezahlt. Vor allem heavy-user müssen zunehmend damit rechnen, zur Verantwortung gezogen zu werden.

Auf Ihrer Homepage ist zu lesen, dass der Schutz des geistigen Eigentums Voraussetzung für das Schaffen ständig neuer und vielfältiger Musikproduktionen ist und dass Musikpiraterie die kulturelle Vielfalt bedroht. Trifft es hingegen nicht eher zu, dass Künsterlnnen abseits des Mainstreams im Internet die Möglichkeit vorfinden, ihre Kunst einem großem Publikum zugänglich zu machen?

Dieser Frage liegt offenbar ein grobes Missverständnis zugrunde: Es geht uns ausschließlich darum, dass die Künstler und Labels selbst darüber entscheiden, ob ihre Musik im Internet angeboten wird oder nicht. Will das eine Künstlerin oder ein Künstler, etwa kostenlos aus Promotiongründen oder gegen Bezahlung als Online-Angebot, dann ist das wunderbar – das Internet bietet viele Chancen für die Musikbranche. Nur wenn der Künstler seine Musik nicht ins Internet stellen will, dann sollte das auch nicht gegen seinen Willen passieren. Nur um diese Wahlmöglichkeit geht es, und das ist unabhängig von Mainstream oder nicht Mainstream.

Immer wieder bemängeln UserInnen in ihren Postings auf derStandard.at/Web den hohen Preis der Audio-CDs und die Tatsache, dass lediglich einige wenige populäre "Popstar"-Klone gepusht werden. Ist diese Kritik gerechtfertigt?

Nein, Österreich hat EU-weit die niedrigsten CD-Preise – eine Folge der Handelskonzentration und des preisaggressiven Wettbewerbs. Dazu kommt noch eines: In Österreich beträgt die Mehrwertsteuer auf Musik-CDs 20 Prozent, auf Bücher, Zeitungen oder Magazine (etwa auch Pornomagazine) aber nur 10 Prozent, weil das steuerlich anerkannte Kulturgüter sind!? Diese steuerliche Diskriminierung der Musik-CD sollte rasch beendet werden, und der Handel hat bereits zugesagt, diesen Preisvorteil 1:1 an den Konsumenten weiterzugeben.

Setzen Sie Hoffnung in die Digital-Rights-Management (DRM)-Technologie? Können Raubkopien Ihrer Meinung nach durch neuartige Hardware gestoppt werden?

Ja, wir setzen große Hoffnungen in DRMs. An deren Entwicklung wird auch intensiv gearbeitet. Mit DRMs kann Musik sehr flexibel angeboten und konsumiert werden, vom Download über Brennen bis hin zum einzelnen oder mehrfachen Hören, all das auch zu flexiblen Preisen. Und DRMs ermöglichen die Honorierung von Kreativen und Labels, sowohl für online Nutzungen als auch für offline Kopien auf physischen Medien.

Manche Firmen bieten sowohl kopiergeschützte CDs als auch die Hardware, diese zu kopieren, an (z.B. Sony). Wird dadurch der Kampf gegen die Musikpiraterie untergraben und kann er so überhaupt erfolgreich sein?

Hardware- und Softwareunternehmen verfolgen derzeit oft unterschiedliche Ziele, auch wenn sie demselben Konzern angehören. Dabei würden DRMs oder Copy Control Systeme, die bilateral – also gemeinsam von Hard- und Softwareunternehmen – angeboten werden, für den Konsumenten ein Maximum an Vorteilen bringen, denn Kompatibilitätsprobleme gehörten dann endgültig der Vergangenheit an. Diese Zusammenarbeit entwickelt sich nun aber wieder, weil der legale "digitale Marktplatz" von beiden Seiten als große Zukunftschance gesehen wird.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, um den Kauf einer "Original-CD" wieder attraktiver zu machen?

Weitere Produktentwicklungen und –verbesserungen (zB. enhanced CD, Audio- und Video-DVD), legale Musik-On-Demand Dienste, an denen Aufbau ständig gearbeitet wird (derzeit werden in Europa etwa 250.000 Titel auf mehr als 10 Sites legal angeboten, der Apple music store ist auch für Europa in Vorbereitung) und Aufbau neuer Künstler und neuer Musikstile. Die Qualität der Musik ist allerdings nicht das Problem, angesichts von jährlich mehr als 20 Millionen gebrannten Musik CD-Rs in Österreich.

Was ist der Weg der Zukunft: Kunden durch besondere Features (z.B. Enhanced CDs mit Bild/Videomaterial etc.) zum Kauf von original CDs zu bewegen oder verstärkt auf rechtliche Konsequenzen hinzuweisen und diese anhand von Präsenzfällen zu demonstrieren?

Sowohl als auch: Das Angebot verbessern (siehe vorige Frage), gleichzeitig darf aber auch der Diebstahl geistigen Eigentums nicht toleriert werden.

Sind Ihrer Meinung nach "CD-Rohlinge" zu billig?

Zu diesen Preisen möchte ich mich gar nicht äußern, der Markt bestimmt und verändert sie. Nur eines: CD-Rohlinge sind ein neutrales Trägermaterial, wie etwa das Papier bei einem Buch. Die sog. Urheberrechtsabgabe, die auf Leermedien verrechnet wird, kann nicht im Geringsten jene Verluste kompensieren, die der Musikbranche durch Kaufsubstitutionen infolge CD-Brennens entstehen. (kk)

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