Synthetische Drogen bleiben "Hauptfeind"

26. Juni 2003, 20:36
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200 Millionen Menschen reden nicht viel über Drogen, sie nehmen sie - UNO warnt vor reinen Verboten, die sich als kontraproduktiv erweisen

Wien/Paris - 200 Millionen Menschen weltweit - das sind 4,7 Prozent der Gesamtbevölkerung über 14 Jahren - konsumieren illegale Drogen. Darauf wies UNO-Generalsekretär Kofi Annan anlässlich des Internationalen Tags gegen Suchtgiftmissbrauch hin.

Antonio Maria Costa, Direktor des UNO-Büros zur Drogen- und Verbrechensbekämpfung in Wien, appellierte an die Eltern, mit ihren Kindern offen über die Auswirkungen von Drogenkonsum zu reden und warnte vor reinen Verboten, die sich meist als kontraproduktiv erwiesen.

Gefährliche Mythen

"Wir müssen Jugendlichen auch deshalb zuhören, weil sie viel mehr über die Suchtgiftcocktails wissen, die den Markt überschwemmen, und die Mythen, die diese umgeben", erklärte Costa. Als "öffentlichen Feind Nummer 1" bezeichnete Costa deshalb die synthetischen Drogen wie Amphetamine und Ecstasy.

Einstufung von Gefährlichkeit bei Jugendlichen

Bei einer Befragung österreichischer Schülerinnen und Schüler hat sich aber auch herausgestellt, dass die häufigste Form des Drogenmischkonsums (ein offenbar generell steigender Trend) Alkohol und Cannabis ist. Bemerkenswert: Cannabis wurde als die mit Abstand ungefährlichste Droge eingestuft, Alkohol und Tabak als eher gefährlich.

Drogen am Steuer

Ebenfalls bemerkenswert für die Einschätzung von Drogen in Österreich: Hier sind Drogen am Steuer nur ein Verwaltungsdelikt, wenn es nicht zu einem schweren Unfall kommt. In allen anderen EU-Staaten wird Fahrzeuglenken unter Drogeneinfluss grundsätzlich strafrechtlich verfolgt. Dies geht aus einem Vergleich der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht hervor.

Trendbericht

International bleibt der Kampf gegen die "klassischen" Drogen ein schwieriger, wie der neueste UN-Drogen-Trendbericht zeigt: Zwar sind im Goldenen Dreieck in Südostasien die Opium-Anbauflächen von 1998 bis 2002 um 40 Prozent zurückgegangen. Aber in Afghanistan ist die Opiumproduktion gestiegen, was zu einer Vergrößerung des Schwarzmarkts nicht nur in der Region, sondern in ganz Zentralasien, in Russland und Osteuropa geführt hat. (APA, AFP, DER STANDARD Printausgabe 27.6.2003)

"Reden wir über Drogen" war das Motto am gestrigen "Internationalen "Tag gegen Suchtgiftmissbrauch". 200 Millionen Menschen reden nicht viel darüber, sie nehmen sie. Experten setzen auf vorbeugende Maßnahmen im Kampf gegen die Sucht.
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