Ein neues Protein im Gehirn

23. Juli 2012, 21:32
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Ein Huntington-assoziiertes Protein wurde von Salzburger Forschern in neuen Varianten entdeckt

Salzburg - Dass ein mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Chorea Huntington, Parkinson und Alzheimer in Verbindung stehendes Protein anscheinend weiter verbreitet ist als bisher angenommen, fanden Wissenschafter der Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Salzburg heraus. Ihre in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Human Molecular Genetics" veröffentlichten Erkenntnisse könnten künftig neue Ansätze für Therapien ermöglichen, heißt es am Montag in einer Aussendung.

Die Wissenschafter fanden im Rahmen eines vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts eine neue Region im genetischen Code des Proteins "PGC-1alpha". Von dieser Region aus werden bisher unbekannte Variationen des Proteins hergestellt, die speziell im Hirn zu finden sind.

PGC-1alpha ist ein zentraler Regulator von Genen, die den Energiestoffwechsel koordinieren, und nimmt somit Einfluss auf wesentliche Körperfunktionen. Die Salzburger Forscher wollten eigentlich untersuchen, inwieweit das Protein auch Einfluss auf Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes und das metabolische Syndrom hat. Dabei stießen sie auf überraschende Ergebnisse mit Relevanz für neurodegenerative Erkrankungen.

Neuer Promoter

Das Team stellte fest, dass das für PGC-1alpha codierende Gen sechsmal größer ist als bisher angenommen. In einiger Entfernung vom bisher bekannten Gen fand man einen neuen Promotor - dieser stellt einen DNA-Abschnitt dar, der die Umsetzung genetischer Information in Proteine steuert. Ein wichtiger Zwischenschritt dabei ist die Übertragung der genetischen Information von DNA- auf RNA-Moleküle - die sogenannte Transkription.

Im Rahmen des Projekts wurden Transkripte, die von dem neu entdeckten Promotor aus hergestellt werden, weiter untersucht. "Diese Transkripte unterscheiden sich an wichtigen Stellen von jenen, die bisher als Referenz für PGC-1alpha dienten. Anhand dieser Unterschiede konnten wir zeigen, dass diese bisher unbekannten Transkripte speziell in menschlichen Hirnzellen vorkommen und dort mindestens genauso häufig sind wie die Referenz-Transkripte", so die Erstautorin Selma M. Soyal.

Lokalisierung in menschlichen Zellen

Eine weitere Überraschung für die Forscher war, dass sie diese verschiedenen PGC-1alpha-Proteine auch in menschlichen Zellen lokalisieren konnten. Im Gegensatz zur bereits bekannten Form fand sich eine der neu entdeckten Varianten nur außerhalb des Zellkerns, im Zytoplasma. Eine andere befand sich sowohl im Zellkern als auch im Zytoplasma.

Für die Forscher liegt der Schluss nahe, dass die gefundenen Unterschiede in den Transkripten dafür verantwortlich sind, dass die fertigen Proteine an anderen Stellen in der Zelle zu finden sind. Diese Entdeckung biete möglicherweise spezifische Ansatzpunkte für neue Therapiemöglichkeiten für Chorea Huntington, Parkinson und Alzheimer. Die Ergebnisse deuten insgesamt auf ein komplexes Vorkommen von PGC-1alpha im Menschen hin, da auch gezeigt werden konnte, dass der neue Promotor im Nervengewebe aktiv ist. Damit könnte er eine wichtige Rolle bei den nur teilweise bekannten Zusammenhängen zwischen dem Protein und den Erkrankungen haben. (APA, 23.7.2012)

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