Pro Selbstbehalt im Gesundheitssystem: Lange nicht ausgereizt

Kommentar22. Juli 2012, 18:07
90 Postings

Selbstbehalte bringen zusätzliche Anreize und Lenkungseffekte

Das passt wirklich bestens zu den österreichischen System-Maurern. Da verweist die gewerbliche Sozialversicherung darauf, dass die Vorsorgeuntersuchungen rasant gestiegen sind, und der zuständige Minister echauffiert sich darüber. Offenbar sind sozialdemokratische Ansichten derart in Beton gegossen, dass objektiv feststellbare Fortschritte madig gemacht werden, wenn sie von der ideologisch "falschen" Seite kommen.

Selbstbehalte sind wahrscheinlich nicht der Stein der Weisen im Gesundheitssystem, doch positive Effekte können sie sehr wohl auslösen. Vor allem, wenn der Obolus durch erwünschte Verhaltens- und Ernährungsumstellungen umgangen werden kann. Man nehme zum Beispiel einen STANDARD-Redakteur Mitte 40, starker Raucher mit Hang zu fettreicher Ernährung. Angenommen, er hätte einen Selbstbehalt, dem der Journalist durch entsprechende Vorsorgemaßnahmen entgehen könnte - dann wäre die Ersparnis ein zusätzlicher Anreiz, um eine Nikotin-Entziehungskur oder eine Umstellung auf cholesterinarme Ernährung vorzunehmen. Genau um diesen Lenkungseffekt geht es.

Wo liegt nun die Bestrafung Kranker? Es geht ja nicht um einen Selbstbehalt von Menschen mit Lungenkrebs oder Herzkrankheit, sondern um die Belohnung jener, die sich mit präventiven Maßnahmen davor schützen wollen. Die Grenzen für eine Spur Eigenverantwortung im Gesundheitswesen sind noch lange nicht ausgereizt. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 23.7.2012)

Share if you care.