Vorsichtiger Optimismus in den USA

26. Juni 2003, 11:35
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Zeitungsbranche hofft auf moderate Erholung des Werbemarktes

Die mit sinkenden Anzeigeneinnahmen kämpfende US-Zeitungsbranche ist vorsichtig optimistisch, dass der Werbemarkt in der zweiten Jahreshälfte wieder anzieht. Neue Produkte und Dienste sollen vor allem die Einbrüche bei den Stellenanzeigen wettmachen.

Rückgänge werden geringer

"Wir sehen einige Anzeichen einer Verbesserung im Technologiebereich", sagte Peter Kann, Chef des Medienkonzerns Dow Jones, der unter anderem das "Wall Street Journal" herausgibt, am Mittwoch auf einer Branchenkonferenz in New York. Dow Jones hat besonders unter einem Rückgang des Werbeinteresses der Technologie- und der Finanzbranche gelitten, die von der Konjunkturflaute am stärksten betroffen waren. "Im Finanzsektor scheint das Tief langsam erreicht. Die Rückgänge werden geringer, und das ist ein kleines Zeichen des Fortschritts", sagte Kann.

Irak-Krieg unterbrach Krise

Der Irak-Krieg hatte die sich abzeichnende Erholung des US-Werbemarktes nach einer der schwersten Krisen Anfang des Jahres unterbrochen. Nun hoffen die Zeitungsmacher auf eine Wiederaufnahme des Trends. Der Verlag Journal Register, der 23 Regionalzeitungen in den USA herausgibt, rechnet mit einem Wachstum in einstelliger prozentualer Höhe im zweiten Halbjahr 2003. In den ersten fünf Monaten seien die Anzeigeneinnahmen gesunken, im Juni aber leicht gestiegen.

Signal für europäische Werbebranche

Auch die krisengeschüttelte europäische Werbebranche hofft auf eine Erholung des Werbemarktes in den USA als Signal dafür, dass es auch in Europa bald wieder aufwärts geht. Noch sei es aber zu früh, um von einer Trendwende in den USA zu sprechen, betonte Dow-Jones-Chef Kann. Für eine solche Aussage wolle er erst steigende Werbeeinnahmen in allen Kernbereichen des Unternehmens in drei oder vier Monaten in Folge sehen. Das Ergebnis des zweiten Quartals werde aber schon am oberen Rand der Analystenerwartungen liegen, kündigte er an.

Neue Erlösquellen

Weil vor allem Stellen- und Immobilienanzeigen wohl für immer ins Internet abwandern, müssen sich die Zeitungen über neue Erlösquellen Gedanken machen. Bessere Online-Ausgaben, die Werbekombinationen in beiden Medien ermöglichen, und Angebote für vernachlässigte Lesergruppen sind Ansätze.

Zielgruppe: Hispanisch-stämmige Bevölkerung

So entdecken die Verlage zunehmend die Hispanisch-stämmige Bevölkerung, mit 37 Millionen die größte ethnische Minderheit in den USA, die über eine jährliche Kaufkraft von rund 600 Milliarden Dollar verfügt. Der Pulitzer-Verlag prüft zum Beispiel die Herausgabe zweier Zeitungen in Spanisch. Der Herausgeber der "Dallas Morning News", Belo Corp, will noch in diesem Jahr die Zeitung "Al Dia" für die Spanisch sprechende Bevölkerung im Norden Texas auf den Markt bringen. (Reuters)

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