Niederösterreich: Keine Einkaufshallen mehr am Ortsrand

19. Juli 2012, 10:17
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In Niederösterreich soll mit den Shopping-Asphaltwüsten Schluss sein, geplante Projekte werden aber noch realisiert - zulasten der Ortskerne

Langenzersdorf / St. Pölten - Große Holztore verschlucken Heurigengäste, dazwischen gähnen Türen niedriger Wohnbauten aus den sonnengelben Fassaden. Hier ein Bäumchen, da ein Röslein - eine Vorstadtidylle nördlich des Stadtrands von Wien. Einmal ums Eck sieht es anders aus. Dort thronen die Einkaufshallen, vor jeder glüht ein riesiger Asphaltteppich, damit der Weg zu vollen Sackerln mit dem Auto zurückgelegt werden kann. So zeigt sich Langenzersdorf - und es ist nur ein zufällig herausgepicktes Beispiel für viele Ortschaften in Österreich.

Jeder Österreicher hat 1,9 Quadratmeter Einzelhandelsfläche zur Verfügung, sagt Raumplaner Reinhard Seiß. In Deutschland seien es 1,4 Quadratmeter. Aber: Deutschland habe davon nur 17 Prozent an der Peripherie gebaut - Österreich 51 Prozent. Die Folge sei die "Aushöhlung der Zentren".

Eigentlich eingedämmt

Eigentlich, sagt Helga Zodl von der Dorf- und Stadterneuerung Niederösterreich, sei das Errichten solcher Einkaufswelten auf der grünen Wiese seit ein paar Jahren dank Raumordnungsgesetz des Landes eingedämmt. Es fänden allerdings noch Ausbauten statt oder die ein oder andere Realisierung alter Pläne. Das letzte große Einkaufszentrum, das Niederösterreich erhalte, sei jenes in Gerasdorf bei Wien - 70.000 Quadratmeter soll es umfassen.

Raumplaner warnen immer wieder davor, dass durch die Auslagerung der Einkaufsmöglichkeiten die Ortskerne veröden. Warum ist Langenzersdorf trotzdem diesen Weg gegangen? Bürgermeister Andreas Arbesser (VP) zufolge stecken mehrere Faktoren dahinter. Zum Ersten habe es in den 1960er- und 1970er-Jahren viel mehr Kleingewerbetreibende wie Fleischhauer oder Elektronikfachhändler gegeben. Zweitens habe er wenig Einfluss darauf, ob ein Hauseigner sein Erdgeschoß weiterhin als Geschäftsfläche vermieten wolle und daher genug Geschäftsraum im Ortszentrum vorhanden sei.

Parkplatzschwierigkeiten

"Außerdem bin ich dagegen, dass man etwas zwangsverordnet", sagt Arbesser. Und mit Parkplätzen sei es auch immer schwierig gewesen. Auch nicht ganz unerheblich: Die Ansiedlung großer Unternehmen mit vielen Mitarbeitern bringt der Gemeinde Einnahmen in Form der Kommunalsteuer. Bei der Umwidmung in Bauland stehe man aber auf der Bremse, sagt Arbesser. Trotzdem, so gesteht er, höre er schon immer wieder den Vorwurf, dass er doch mehr fürs Zentrum tun könnte.

Ortskernbelebung ist ein Thema, das in Initiativen der Dorf- und Stadterneuerung Hochkonjunktur hat. Die Aktionen setzen stark auf Bürgerbeteiligung - und wachsen daher immer weiter. "Entwickeln und planen mit Bürgern setzt sich immer mehr durch", sagt Zodl. Als Positivbeispiele gelten Stockerau, Tulln oder Korneuburg. Auch Waidhofen an der Ybbs versucht, den Ortskern zu attraktivieren. Als vergangenes Jahr im Herbst im oberösterreichischen Ottensheim die erste Leerstandskonferenz stattfand, präsentierte die Stadt ihre Maßnahmen - unter anderem: Mietzuschüsse. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 19.7.2012)

  • Große Geschäfte und noch größere Parkplätze: shoppen am Stadtrand von 
Langenzersdorf
    foto: urban

    Große Geschäfte und noch größere Parkplätze: shoppen am Stadtrand von Langenzersdorf

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