Uni-Rankings haben negative Auswirkungen

16. Juli 2012, 10:30
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Studie ortet starken Einfluss auf Verteilung von Budgets an Unis - Rennen um gute Plätze führte in den USA zu Kostenexplosion

Wien - Hochschulrankings können nur ein sehr vereinfachtes Abbild der Wirklichkeit zeigen. Trotzdem werden sie in der Öffentlichkeit als Gradmesser für die Qualität von Hochschulen wahrgenommen und beeinflussen auch die Universitäten selbst - und zwar meist auf negative Art, kritisieren die Autoren der Studie "Multidimensional Ranking". Darin erheben sie die Machbarkeit eines neuartigen Rankings "U-Multirank" für europäische Hochschulen und beleuchten die Mängel existierender Ranglisten - etwa die Übergewichtung von Forschung in Naturwissenschaften und Technik.

Die Autoren stellen über die letzten Jahrzehnte weitreichenden Einfluss der Ranglisten auf die Verteilung des Budgets an und innerhalb von Unis und Forschungseinrichtungen und auf die Nachfrage der Studenten fest. So wurden in manchen Ländern wegen eines - aus Sicht der Politik - schlechten Abschneidens Reformen eingeleitet und in manchen Fällen auch das Budget aufgestockt. Auch die Verteilung innerhalb der Unis wurde beeinflusst: Forscher, deren Bereich für ein gutes Gesamtergebnis besonders wichtig ist, nutzen die Rankings als Druckmittel für mehr Geld. Unileitungen investieren aber auch selbst gezielt in solche Bereiche.

Schwerpunkt Forschung

Genau diese gezielten Investitionen würden aber dazu führen, dass die Unis sich immer ähnlicher werden und - unabhängig von bestehenden Stärken - den Schwerpunkt auf Forschung setzen, die in allen großen internationalen Vergleichen am stärksten gewichtet wird. In Extremfällen könne das bis zu einem "Fetischismus jener speziellen Form von Wissen, Mitarbeitern und Forschungsergebnissen" führen, die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit eine gute Platzierung ermöglichen.

Überreaktionen

Das Schielen auf Ranking-Ergebnisse hat auch zu anderen "Überreaktionen" geführt: Zwischen den Unis sei ein veritables Rennen um gute Platzierungen zu beobachten - mit teuren Folgen: Die Unis würden immer mehr Geld investieren, um die besten Studenten und Forscher für die in Rankings besonders stark gewichteten Bereiche anzuwerben, wodurch die Kosten für eine Hochschulausbildung etwa in den USA in den vergangenen Jahrzehnten explodiert seien. "Wenn die Politik in anderen Ländern weiter dem US-Beispiel folgt und den Wettbewerb in einem System verstärkt, in dem das Ansehen der Hauptfaktor ist, muss dort mit ähnlichen Kostenexplosionen gerechnet werden", warnen die Autoren. 

Variables Ranking

Mit dem von der Europäischen Kommission initiierten "U-Multirank" hat sich ein internationales Forschungskonsortium die Entwicklung eines Rankings vorgenommen, das keine fixen Bestenlisten liefert. Stattdessen sollen die Benutzer selbst die für sie relevanten Indikatoren gewichten und damit ein Ranking erzeugen können, das ihren Bedürfnissen - wie etwa der Entscheidungshilfe bei der Studienwahl - entspricht. Dabei werden Gruppen von vergleichbaren Unis identifiziert und innerhalb dieser dann eine Reihung durchgeführt. Wegen der mangelnden Aussagekraft wird auf Rangplätze verzichtet, stattdessen gibt es Ranggruppen.

Ab 2013 soll "U-Multirank" einen einheitlichen Vergleich der europäischen Hochschulen nach dem Angebot in Lehre, Forschung, Wissenstransfer, internationaler Orientierung und regionalem Engagement liefern. Danach soll es jährliche Aktualisierungen geben. (APA, 16.7.2012)

"Multidimensional Ranking - The Design and Developement of U-Multirank", herausgegeben von Frans A. van Vught und Frank Ziegele, Springer Verlag, ISBN 978-94-007-3004-5, 194 Seiten, 109,95 Euro

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    Uni-Rankings: Wettlauf um die besten Plätze.

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