Nicht nur idyllisch: Natur-Schauspiele in Leogang

13. Juli 2012, 18:56
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"Im Dorf" beleuchtet die jüngere Vergangenheit Leogangs - Außerdem wird "Die Eumeniden" wieder aufgeführt

In den kommenden Wochen gastiert die Wiener Theatergruppe Ortszeit gleich mit zwei Produktionen in Leogang. Wie üblich gehen die Aufführungen an öffentlichen Orten der Pinzgauer Gemeinde über die Bühne, spektakuläre Naturkulissen sind auch in der siebten Saison des Ensembles um Regisseurin Ursula Reisenberger integraler Bestandteil der Stücke.

"Im Dorf" heißt das ganz neue (heute: Premiere), in dem die jüngere Vergangenheit Leogangs beleuchtet wird. Während der NS-Diktatur wurden Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge und ausländische Zivilisten auch in die Salzburger Berggaue verschleppt, wo sie dann zur Zwangsarbeit gezwungen wurden. Im ganzen Pinzgau belief sich deren Zahl auf annähernd 7000 Personen, ihre Schicksale nimmt eine breitere Öffentlichkeit erst in den letzten Jahren zur Kenntnis. In Leogang schufteten 87 Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion und Polen sowie 35 französische Kriegsgefangene auf örtlichen Bergbauernhöfen. Das Schicksal von drei der Letzteren greift Im Dorf auf. Verrat, Tod, Rettung und (neue) Heimat sind die Stichworte eines Theaters der Grausamkeit wie der Menschlichkeit.

Am Sonntag begibt sich das Ortszeit-Ensemble dann samt dem bergschuhtechnisch hoffentlich gut ausgerüsteten Publikum ins aufgelassene Leoganger Magnesitbergwerk. Ein heute kaum mehr bekannter Ort abseits touristischer Trampelpfade, an dem die letztjährige Produktion "Die Eumeniden" - nach Aischylos - wieder aufgeführt wird. (dog, DER STANDARD, 14./15.7.2012)

  • 14. 7., Leogang, Treffpunkt: Vorderrain, 19.00
  • 15. 7., Knappenstube Unterberghaus, 17.00
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