Taliban-Kommandant sieht keine Hoffnung auf Sieg

11. Juli 2012, 20:43
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Mullah: Kräfteverhältnis klar zu Ungunsten der Aufständischen - Al-Kaida eine "himmlische Plage"

Kabul - Ein hochrangiger Taliban-Kommandant hat überraschend eingestanden, dass die Aufständischen in Afghanistan keine Aussicht auf einen Sieg haben. "Es bräuchte einer göttlichen Intervention für die Taliban, um diesen Krieg noch zu gewinnen", sagte der als Mullah bezeichnete Kommandant in dem am Mittwoch vom britischen Magazin "New Statesman" veröffentlichten Interview. Die genaue Identität des Kommandanten wurde in dem vom ehemaligen UNO-Gesandten in Afghanistan, Michael Semple, geführten Interview nicht genannt.

"Es liegt in der Natur des Krieges, dass beide Seiten gewinnen wollen. Doch das Kräfteverhältnis ist offensichtlich", sagte der Mullah, der als einer der erfahrensten überlebenden Taliban-Kommandanten und als Vertrauter der Taliban-Führung beschrieben wurde. Aufgeben würden die Aufständischen dennoch nicht, denn die Anführer würden die Aussichtslosigkeit des Kampfes niemals eingestehen, sagte der Mann. "Solange (der oberste Anführer) Mullah Omar am Leben ist, werden die Taliban bereit sein, ihm in seinen Kampf zu folgen."

"Wütend auf Al-Kaida"

Laut dem Interview ist die Mehrheit der Talibankämpfer unglücklich über das Bündnis mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida. "Mindestens 70 Prozent der Taliban sind wütend auf Al-Kaida", sagte der Mullah, der das Terrornetzwerk als "himmlische Plage" bezeichnete. "Um ehrlich zu sein, war ich über den Tod von Osama erleichtert. Mit seiner Politik hat er Afghanistan zerstört", hieß es in dem Interview. "Hätte er wirklich an den Jihad geglaubt, hätte er nach Saudi-Arabien gehen und dort den Jihad führen sollen."

Die Taliban waren 1996 in Kabul an die Macht gelangt. Als das mit ihnen verbündete Terrornetzwerk Al-Kaida am 11. September 2001 die USA attackierte, wurden die Taliban jedoch von der US-Armee und der verfeindeten Nordallianz gestürzt. Seitdem führen sie einen blutigen Guerilla-Krieg gegen die afghanische Regierung von Präsident Hamid Karzai und die rund 130.000 NATO-Soldaten, die zur Stabilisierung des Landes in Afghanistan stationiert sind. (APA, 11.7.2012)

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