Fünf Jahre Eurofighter: 4.500 Flugstunden seit 2008

11. Juli 2012, 20:38
124 Postings

Schwächen bei Ersatzteilversorgung laut Streitkräfte-Chef Höfler mittlerweile im Griff - Einführungsphase 2013 abgeschlossen

Graz - Fünf Jahre ist der Abfangjäger vom Typ Eurofighter nun im Luftraum über Österreich aktiv: Am 12. Juli 2007 landete der erste von insgesamt 15 Eurofightern am obersteirischen Fliegerhorst Hinterstoisser in Zeltweg, der auch nach einer umfassenden Adaptierung die Heimatbasis aller Maschinen darstellt. Das System Eurofighter war in den ersten Monaten und Jahren von einigen Schwächen begleitet, wie einem Ersatzteilmangel und dem Fehlen von Zusatztanks. Dies habe man mittlerweile im Griff, so der Chef des Streitkräfteführungskommandos, Generalleutnant Günther Höfler, am Mittwoch. Die Einführungsphase sei nun im ersten Quartal 2013 abgeschlossen, so Höfler.

Die Bilanz sei eine positive, so Höfler: Seit 2008 habe man rund 4.500 Flugstunden mit dem Muster absolviert, 86 Flüge seien sogenannte "Priorität Alpha"-Einsätze" gewesen. Dabei werden unerlaubt in den österreichischen Luftraum einfliegende Luftfahrzeuge oder Flugzeuge, die ohne Funkkontakt sind, abgefangen und identifiziert. Der Klarstand der Maschinen - also jener Flugzeuge, die alle technischen Prüfungen und vorgeschriebenen Wartungen absolviert haben und einsatzbereit sind - belaufe sich auf fünf von 15 Jets. "Manchmal sind wir sogar etwas darüber", so Höfler. Die anderen Flugzeuge befänden sich dann im sogenannten großen bzw. kleinen Service - das große sei nach 400 Flugstunden fällig und dauere drei Monate. Die Klarstands-Quote liege im internationalen Vergleich im Schnitt.

Von den fünf einsatzbereiten Maschinen gehörten drei zur Einsatzbereitschaft (EB) in Zeltweg, diese setzten sich aus den zwei Jets der Alarmrotte und einer Reservemaschine zusammen. Zwei weitere stünden für Ausbildung und Training der Piloten bereit. "Wenn die Luftraumüberwachung von zwei Saab 105 Oe in Linz-Hörsching übernommen wird, haben wir sogar fünf Jets für das Pilotentraining", sagte Höfler.

"Am Anfang hatten wir natürlich Probleme mit der Ersatzteilversorgung, aber darunter litten alle Nationen, die den Eurofighter eingeführt haben. Aber es bessert sich zusehends", so der Streitkräftechef. Immerhin habe man es nach 2007 innerhalb eines Jahres geschafft, "operational" zu werden, sprich die Luftraumüberwachung dem Eurofighter anzuvertrauen. Bis zum Ende der Einführungsphase würden alle Maschinen mit dem Upgrade fertig sein, zu dem u.a. Software für Zusatztanknutzung, verbesserte Funkgeräte sowie GPS gehörten. Dies werde zum Teil beim Hersteller EADS in Manching in Deutschland durchgeführt.

15 Eurofighter, 1.200 Flugstunden

Ein Problem für die Ausbildung und Halten der Einsatzbereitschaft der Piloten dürfte der Sparkurs sein: Die 15 Eurofighter zusammen dürfen zurzeit aus Kostengründen nur 1.200 Flugstunden pro Jahr absolvieren, macht bei 15 Piloten 80 Flugstunden, bestätigte Höfler Angaben der "Salzburger Nachrichten" (Mittwoch-Ausgabe). Ursprünglich waren laut "SN" 1.500 oder gar 1.800 Flugstunden vorgesehen gewesen. Um die Fluglizenz zu behalten, brauchen die Piloten aber jährlich 150 Flugstunden. Daher müssen die Eurofighter-Piloten 40 weitere Flugstunden am Simulator und 30 Stunden auf der Saab 105 Oe absolvieren. "Hier müssen wir über eine Nachfolgelösung nachdenken", so Höfler. Ausweichen auf ausländische Jets - wie zum Beispiel wie früher praktiziert auf schwedische "Viggen" - komme aus Kostengründen nicht infrage. "Und die Eurofighter-Flugstunden brauchen die anderen betreibenden Nationen selbst", sagte der Streitkräfte-Chef. Stichwort internationale Kooperation: Höfler ist überzeugt, dass man in der EU in Sachen Luftraumüberwachung aus Kostengründen intensiver zusammenarbeiten sollte.

Durch die im Jahr 2011 abgewickelte Neuverhandlung der Materialerhaltungsverträge (ISS-Verträge) für die Sicherstellung des Betriebs konnten die Jahressummen für Wartung und Service nominell um ca. 30 Prozent gesenkt werden. Das sind jährliche Einsparungen von rund acht Mio. Euro, wie das Verteidigungsministerium am Mittwoch mitteilte.

Die Eurofighter bilden die aktive Komponente der Luftraumüberwachung. Der österreichische Luftraum wird auch mit ortsfesten und mobilen System rund um die Uhr überwacht. Das Radarsystem Goldhaube ist die sogenannte "passive Komponente" der Luftraumüberwachung, die betagten Saab 105 Oe (Einführungsjahr 1970, Ende der Lebensdauer 2020, Anm.) und Eurofighter bilden die aktive.(APA, 12.7.2012)

Share if you care.