Das Fehlen des weiblichen Blicks in der burgenländischen Politik

11. Juli 2012, 19:05
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Das Burgenland hat die Anzahl von Frauen in den Gemeindestuben studiert und konstatiert einen gewiss dringlichen Nachholbedarf

Eisenstadt - Am 7. Oktober wählen die 171 Gemeinden des Burgenlandes ihre Ortsparlamente und ihre Bürgermeister. Dass es da und dort auch Bürgermeisterinnen gibt, soll nicht unter den Tisch fallen, obwohl die Ziffer zehn da nicht gerade üppig erscheint. Und dann trat im Vorjahr auch noch die Chefin der Hauptstadt, Andrea Fraunschiel, zurück. Da waren's nur noch neun.

Das und vieles mehr hat Frauenlandesrätin Verena Dunst dazu bewogen, der kommunalen Weibersache auf den Grund zu gehen. 2011 erhoben die Unternehmensberaterin Friederike Weber und Doris Damyanovic vom Institut für Landschaftsplanung an der Boku Wien den Status quo im Burgenland. Und kamen zu teilweise erstaunlichen Ergebnissen.

Wenig erstaunlich der Prozentsatz. Nur 19 von 100 Mandataren sind weiblich. Frauenfeindliche Terminsetzungen, männliche Abschasselung, aber auch mangelndes Selbstbewusstsein hinderten viele daran, sich aktiv einzulassen aufs Kommunale.

Profit durchs Weibliche

Dort, wo sie das tun, profitiere die Gemeinde, meinen die Autorinnen. Einfach dadurch, dass die Lebenswelten in ihrer gesamten Bandbreite zur Debatte stehen. Interessant auch die Aufgabenverteilung. Frauen sind für Frauen, Jugend, Familie, Umweltschutz, Kultur zuständig. Männer machen Nägel mit Köpfen bei der Dorferneuerung, der Raumplanung, dem Straßenbau.

Einen Einblick ins Leben - und warum Frauen da eine entscheidende Rolle spielen müssten - gibt eine von sechs interviewten Bürgermeisterinnen. "Da ist es um die Hauptplatzgestaltung gegangen. Die Bänke kamen von den Frauen, die Parkplätze von den Männern."

Frauen seien, so die Studienautorinnen, insgesamt weniger am Amt als an der Gestaltungsmöglichkeit interessiert, was unter anderem in der Anregung mündet, das Politische an der Kommunalpolitik zurückzufahren beziehungsweise, was dasselbe meint, weiterzufassen. Frauen engagierten sich dort, "wo sie etwas weiterentwickeln wollen".

Dass gerade die Kommunalpolitik etwas sehr Gockelhaftes haben kann, ist nicht zu verleugnen. Frauen täten sich damit - no na - schwer. So schwer wie damit, alles unter einen Hut zu bringen. Ein Vorhaben, das nur ein entsprechender Partner ermöglichen könne, verweist die Landesrätin auf ihren eigenen Einstieg in die Kommunalpolitik.

Gleichwohl sprechen die Ziffern eine deutliche Sprache. Zwei Drittel der Gemeinderätinnen sind zwischen 40 und 60, da "sind die Kinder schon aus dem Gröbsten raus". Und 90 Prozent der Gemeinderätinnen sind berufstätig. Ein Signal dafür, wie Beruf und Selbstbewusstsein korrelieren.

Erreichte Parität

Im nordburgenländischen Hirm (SPÖ) ist mit einem Frauenanteil von knapp 47 Prozent die Parität erreicht. Mit mehr als 45 Prozent folgt die 400-Einwohner-Gemeinde Rohr bei Güssing (Ortsliste).

Es gibt auch acht Gemeinden mit Frauenquote null. Das mittelburgenländische Unterrabnitz-Schwendgraben etwa; genau: jene Gemeinde, die durch einen dreisten Wahlbetrug bei der Landtagswahl 2010 berühmt worden ist. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 12.7.2012)

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