215 Millionen Frauen brauchen Verhütungsmittel

10. Juli 2012, 16:55
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Beim Internationalen Familienplanungsgipfel wird ein ambitioniertes Ziel verfolgt

Am 11. Juli wird die Weltbevölkerung einen neuen Höchststand erreichen: 7.057.608.000 Menschen bevölkern den Planeten, jeden Tag kommen, Schätzungen der Österreichischen Stiftung für Weltbevölkerung (SWI) 227.000 ErdenbürgerInnen hinzu. Das sind pro Jahr etwa 80 Millionen Menschen mehr. Gleichzeitig werden die Ressourcen immer knapper. Und: Noch immer haben geschätzte 215 Millionen Frauen keinen Zugang zu Verhütungsmittel.

Hohe Müttersterblichkeit

Jährlich, so die Hilfsorganisation Care, sterben etwa 300.000 Frauen an Komplikationen aufgrund einer - oftmals ungeplanten - Schwangerschaft. Den Internationalen Weltbevölkerungstag, der am 11. Juli begangen wird, zum Anlass nehmend, haben die britische Regierung und die Bill & Melinda Gates Stiftung zur Londoner Familienplanungs-Konferenz geladen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. RegierungsvertreterInnen, GeldgeberInnen, die Zivilgesellschaft und Personen aus der Privatwirtschaft werden Lösungen und finanziellen Möglichkeiten ausloten.

Geplant ist eine neue Initiative, um sicherzustellen, dass bis zum Jahr 2020 zusätzliche 120 Millionen Frauen in den ärmsten 69 Ländern der Welt Zugang zur freiwilligen Familienplanung erhalten. Für die Hilfsorganisation Care ist der Zugang zu Verhütungsmitteln nicht nur ein Menschenrecht, sondern auch eine wichtige Strategie zur Armutsbekämpfung. In einer Aussendung heißt es von der Geschäftsführerin Andrea Wagner-Hager: "Wenn Frauen den Zeitpunkt bzw. die Anzahl ihrer Schwangerschaften nicht entscheiden können, sinken ihre Chancen auf Bildung und berufliche Möglichkeiten dramatisch".

Verhütung als Menschenrecht

Seit 1994 besteht internationaler Konsens, dass reproduktive Gesundheit und Bevölkerungspolitik menschenrechtsbasiert und ohne Zwangscharakter stattfinden soll. Dieser Zugang soll sicherstellen, dass Frauen ihr Recht auf Selbstbestimmung frei ausleben können. Konsens herrscht auch darüber, dass je höher der Bildungsgrad einer Frau ist, desto wahrscheinlicher ihre Entscheidung, später und weniger Kinder zu bekommen. Bildung ist auch der Fokus der SPÖ-Sprecherin für globale Entwicklung, Petra Bayr. "Frauen brauchen niederschwelligen Zugang zu effektiven Verhütungsmitteln, ihre sexuellen und reproduktiven Rechte müssen gestärkt werden und sie müssen besseren Zugang zu Bildung haben", so Bayr via Aussendung.

Verhütung in Krisensituationen

Auch Care plädiert für das Konferenz-Ziel, das vor allem mit Blick auf Kriegsgebiete, Flüchtlingslager und sexuelle Gewalt eine verschärfte Relevanz und Dimension erfährt. Sowohl die SWI, Care als auch Petra Bayr fordern die GeberInnen der Konferenz auf, ihre Geldtaschen zu zücken, um ihr ambitioniertes Ziel umsetzen zu können. Die EU-Kommission hat sich im Vorfeld der Konferenz bereit erklärt, für medizinische Dienste und die Verteilung von Verhütungsmittel 23 Millionen Euro bereitzustellen. (red, dieStandard.at, 10.7.2012)

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    Weltverhütungstag: Seit Jahren unterstützt der UN-Weltbevölkerungsfond Projekte, die Frauen mit Verhütungsmethoden versorgen. Im Bild ein philippinisches Zentrum in Manila, das bedürftigen Frauen Verhütungsmittel injiziert.

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