Ein Gesicht sagt mehr als tausend Worte

25. Juni 2003, 00:00
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Versuch mit Rhesus-Affen zur Rolle der Mimik - von Forschern als Vorstufe der Sprachentwicklung gewertet

London/Tübingen - Nicht nur Menschen, auch Affen lesen in Gesichtern. Sie können Gesichtsausdrücke von Artgenossen mit bestimmten Lautäußerungen in Verbindung bringen. Das berichten Tübinger Wissenschafter im britischen Fachblatt "Nature". Die Fähigkeit, Mimik richtig zu interpretieren, sei eine Voraussetzung, um Sprache zu verstehen, und gehe in der Evolution der Sprachentwicklung vermutlich voraus, schreiben Asif Ghazanfar und Nikos Logothetis vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen.

Um herauszufinden, ob die Tiere Gesichtsausdrücke und Laute miteinander verbinden, setzte das Forscherteam Rhesus-Affen (Macaca mulatta) vor zwei Bildschirme. Auf jedem lief - ohne Ton - die Videoaufnahme eines Artgenossen, der einen bestimmten Laut ausstieß. Einer machte einen freundlich-gurrenden Ton, bei dem der Mund leicht geöffnet und die Lippen vorgestülpt waren. Der andere schrie eher ängstlich mit weiter geöffnetem Mund. Die Wissenschafter spielten zu diesen Bildern nun jeweils nur eine der beiden Tonaufzeichnungen ein und beobachteten dabei, wie häufig die Affen jeweils zu einem der beiden Bildschirme schauten.

Sie stellten fest, dass die Rhesus-Affen tatsächlich dem Bild mehr Aufmerksamkeit widmeten, das mit dem eingespielten Ton übereinstimmte. Sie betrachteten es häufiger und länger als das mit dem unpassenden Gesichtsausdruck. Derartige Assoziationen seien beim Menschen für das Verständnis von Sprache notwendig, schreiben die Wissenschafter. Auch Kleinkinder, die noch nicht sprechen konnten, hätten in ähnlichen Versuchen dasselbe Verhalten gezeigt wie die Affen. (APA/dpa)

Vgl. "Nature", (Bd. 423, S. 937)
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein junges Rhesus-Äffchen

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