Ein Vergewaltiger ohne Waffe

24. Juni 2003, 18:56
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Elfeinhalb Jahre für Wiederholungstäter ohne Reue

Wien - Da sitzen 15-jährige Schüler im Saal und hören, wie einer sagt, dass das für ihn keine "echte" Vergewaltigung sei, wenn er nur die Hände verwendet, zum Würgen, zum Schlagen, um der Frau das Gewand vom Leib zu reißen, und was nachher unter Drohungen geschieht. "I bin sicher ka Unschuldslamm, aber i hab nie a Waff'n verwendet", sagt er: "Für a Frau brauch i ka Waff'n."

Ohne Reue

Er heißt Markus und kommt eher schon aus dem Gefängnis als aus Oberwart. Hier im Gericht ist er zornig. Er bemüht sich erst gar nicht, Reue vorzuheucheln, er fühlt sich ungerecht behandelt. Er fordert einen anderen Staatsanwalt (keinen, der ihm "Rambo-Identität" und sadistische Elemente bescheinigt) und eine bessere Psychiaterin.

Zufallsopfer

Diese hier will ihm und den Schöffen einreden, dass bei ihm sexuell und auch sonst nicht alles in Ordnung sei. "Er hat eine Frau nach der anderen serienmäßig zur Triebbefriedigung genommen", heißt es. - Zufallsopfer, "zur falschen Zeit am falschen Ort". In einem Reisebüro hat er eine Raumpflegerin erwischt und in ein Kammerl gedrängt. Im AKH hat er eine Hausarbeiterin vergewaltigt, im Kinderspital eine Krankenschwesterschülerin.

"Überhöhte sexuelle Ansprüche"

"Er hat überhöhte sexuelle Ansprüche und eine völlig gestörte männliche Identität", sagt die Gutachterin: "So wie er ist, kann er sich einer Frau nicht zumuten." - "Bledsinn", murmelt er. - "Also muss sie tun, was er braucht. Und um die eigenen Gewissensinstanzen zu beruhigen, redet er sich ein, dass sie es will oder dass sie zumindest Lust dabei empfindet." - "Stimmt net", trotzt er.

Wiederholungstäter

Vor knapp einem Jahr wurde er wegen Vergewaltigung in sieben Fällen zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Das Höchstgericht hat das Urteil aufgehoben, weil es daran zweifelte, ob die Gewalt auch wirklich schwer genug war, um die hohe Strafe zu rechtfertigen.

Das neue Urteil ist unwesentlich milder: Elfeinhalb Jahre Gefängnis und Einweisung in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher. "Irgendwas rennt bei Ihnen in der Maschine nicht richtig", sagt der Richter. "Bledsinn", zürnt der Verurteilte: "I hab keine Defekte." (Daniel Glattauer/DER STANDARD; Printausgabe, 25.6.2003)

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