Nachschlag mit Motoröl

3. Juli 2012, 18:40
posten

Die Sommerszene Salzburg präsentiert alte Weggefährten wie WimVandekeybus und steckt bei Hubert Lepka das Publikum in Blauzeug

Salzburg - "Zukunftsräume öffnen" lautet ein Motto des Sommerszene-Festivals, das mit einem Blick zurück in die eigene Geschichte realisiert werden soll. Der langjährige Intendant Michael Stolhofer hat seine Agenden am 1. Juni zwar an Angela Glechner übergeben, die heurige Ausgabe verantwortet das Szene-Mastermind aber noch ein letztes Mal selbst.

Dafür engagierte Stolhofer Künstler, die in den vergangenen dreißig Jahren das Programm entscheidend mitgeprägt haben. "Zugabe" lautet denn auch der aktuelle Titel des Festivals, das am Donnerstag von Louise Lecavalier eröffnet wird. Die kanadische Tänzerin präsentiert ein Stück mit zwei Teilen: So Blue ist eine Gemeinschaftsarbeit mit Benoît Lachambre, A Few Minutes To Look erinnert an alte Performances aus den 1980ern und 1990ern, die Lecavalier als Teil der Gruppe La La La Human Steps kreiert hatte - u. a. für Videos und Bühnenshows von David Bowie oder Frank Zappa.

Bei der Eröffnungsvorstellung (freier Eintritt mit Einlasskarte) denkt die Szene auch ein bisserl an die Zukunft: nämlich die der Kunst- und Kulturförderung. Getreu dem Slogan "Holen Sie sich Ihr Steuergeld zurück" bekommt jeder Besucher seinen Anteil am Szene-Jahresbudget in einem Kuvert rückerstattet.

Tags darauf wird der Domplatz mit einer frühen Komposition des New Yorker Minimal-Music-Pioniers Steve Reich beschallt. Dem belgischen Choreografen Wim Vandekeybus ist das Filmprogramm in den Kavernen gewidmet: Zu sehen ist u. a. seine Zusammenarbeit mit Ober-Talking-Head David Byrne, In Spite Of Wishing And Wanting (2002). Hubert Lepkas futuristisch inspirierte Materialschlachten sind ja für konventionelle Spielorte zu überdimensioniert. Sein Erstlingswerk 108 EB benötigt den Sound von zwei BMW- und zwei Alfa-Romeo-Motoren, in der ÖBB-Lokhalle dürfen die Zuschauer mit Blaumann und Motorenölduftnote die Kulturschicht antreten. Ob das dazugehörige Dinner dann aus proletarischer Pausenjause besteht, darf bezweifelt werden. (Gerhard Dorfi, DER STANDARD, 4.7.2012)

  • Die kanadische Tänzerin Louise Lecavalier eröffnet heute das Sommerszene-Festival.
    foto: michel pilon

    Die kanadische Tänzerin Louise Lecavalier eröffnet heute das Sommerszene-Festival.

Share if you care.