Lob mit Einschränkungen für Stufenplan der Regierung

3. Juli 2012, 17:27
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Eltern und Lehrer kritisieren Dauer der einzelnen Stufen - Schüler betonen Bedarf nach Supportsystem

Wien - Lob mit Einschränkungen bekommt die Regierung von Schüler-, Eltern- und Lehrervertretern für ihren Stufenplan zum Schulschwänzen, der am Dienstag im Ministerrat beschlossen wurde. So wurde die Idee selbst von allen Seiten gelobt, allerdings vor möglichen Problemen bei der Umsetzung gewarnt. Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) bekam unterdessen von FPÖ und ÖVP Unterstützung für ihre Idee, in Härtefällen die Familienbeihilfe der Eltern von Schulschwänzern zu sperren.

Theodor Saverschel, der Vorsitzende des Bundesverbands der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen, bemängelt im Gespräch mit der APA, dass es nach dem Regierungsvorschlag bis zu fünf Monate dauern kann, bis wegen wiederholter Schulpflichtverletzungen gestraft werde. "Der Abstand zwischen den einzelnen Stufen ist zu lange." Außerdem fürchtet er eine Überforderung der Jugendwohlfahrt, die schon jetzt ausgelastet sei. Die Strafe von künftig 440 Euro bei Härtefällen ist für den Elternvertreter in Ordnung, auch wenn er glaubt, dass die Betroffenen diese Summe in der Regel selten bezahlen können. Die von Burgstaller vorgeschlagene Sperre der Familienbeihilfe lehnt er unterdessen ab. "Dieses Geld ist keine Belohnung, sondern Ausgleich für die Familienbesteuerung."

Kolmann lobt Stufenplan

Bundesschulsprecherin Conny Kolmann von der VP-nahen Schülerunion lobte am Stufenplan, dass nach den Ursachen für Schulschwänzen gesucht werden soll. "Die meisten gehen ja deshalb nicht in die Schule, weil es ein Problem in einem Fach, mit einem Lehrer oder mit der Klasse gibt", sagt sie zur APA. Wirklich wirksam kann das neue System aus Kolmanns Sicht aber nur dann sein, wenn die Supportsysteme (Schulpsychologen, Schülerberater etc.) ausgebaut werden. "Das fehlt derzeit an vielen Schulen und ohne einen Ausbau wäre es sehr schwierig." Wenn die vorherigen Stufen wie angekündigt umgesetzt werden, wird die Geldstrafe als letzter Schritt auch nur selten zum Einsatz kommen.

Zumindest in der Theorie ist auch die Lehrervertretung von der Idee eines Stufenplans angetan, "allerdings werden wir uns genau anschauen, wie das in die Praxis umgesetzt wird", kommentiert Pflichtschullehrer-Gewerkschafter Paul Kimberger (FCG) den Vorschlag. Er befürchtet "massive Mehrarbeit für Lehrer und Schulleiter" durch die im Stufenplan vorgesehenen Gespräche mit Schülern und Eltern. Außerdem vermisse er die im Plan genannten Unterstützungssysteme. Überhaupt ist aus seiner Sicht der Stufenplan "viel zu langfristig" angelegt, immerhin wüssten Schwänzer ohnehin, dass sie etwas Verbotenes tun. "Es müsste viel mehr gestraft werden", so Kimberger. Es sollte möglich sein, schon viel schneller Jugendwohlfahrt oder Bezirkshauptmannschaft einzuschalten, statt "vorher den ganzen Stufenplan abzuarbeiten". Insgesamt gehören Schulpflichtverletzungen laut Kimberger aber ohnehin nicht zu den dringlichsten Problemen des Bildungssystems.

Unterstützung für Burgstaller von FPÖ und  BZÖ

Während Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) am Dienstag betonte, dass sie von einer Sperre der Familienbeihilfe in Härtefällen nichts hält, wurde Burgstallers Vorschlag von FPÖ und BZÖ unterstützt. Burgstaller plädiert dafür, dass das Geld erst nachbezahlt werden soll, wenn Eltern dafür sorgen, dass ihre Kinder in die Schule gehen. FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz spricht am Dienstag in einer Aussendung von einer "alten FPÖ-Forderung", die sich endlich durchgesetzt habe. Eine "sehr gute Idee" sieht BZÖ-Bildungssprecherin Ursula Haubner: "Rechtlich ist das möglich und es ist eine Maßnahme, die sicher wirkt", meinte sie mit Hinweis auf die Koppelung von Teilen des Kinderbetreuungsgelds an die Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen.

Kritisch reagierte indes Grünen-Bildungssprecher Harald Walser: Von einer Sozialdemokratin hätte er erwartet, dass sie die Gründe für das Fernbleiben von der Schule beseitigen wolle, "statt bei Familien am unteren Ende der Einkommensskala auch noch die Familienbeihilfe wegzukürzen". Überhaupt sei die Diskussion über Schulschwänzen "nicht mehr als ein Ablenkungsmanöver von den großen Baustellen im Bildungsbereich". Die SP-nahe Aktion Kritischer SchülerInnen (AKS) forderte ihrerseits eine Systemänderung, um den Druck von jenen Jugendlichen zu nehmen, die schwänzen. Strafen "dienen lediglich der Symptombekämpfung und helfen niemandem". (APA, 3.7.2012)

 

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