USA subventionieren dreimal höher als EU

26. Juni 2012, 10:37
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76 Milliarden fließen in der EU in die Landwirtschaft. MOMAGRI: Die Subventionen sind zu wenig flexibel bei Preisschwankungen

Wien - Eine Studie der in Paris beheimateten Denkfabrik MOMAGRI (Mouvement pour une organisation mondiale de l'agriculture) kommt zu dem Schluss, dass die Landwirtschaft in den USA gemessen an der Bevölkerung fast dreimal so stark subventioniert wird wie in Europa. In absoluten Zahlen flossen demnach 2010 umgerechnet 137,7 Mrd. Euro (172 Mrd. Dollar) in die US-Landwirtschaft und 76 Mrd. Euro in die EU-Landwirtschaft. Pro Kopf waren es damit 422 Euro in den USA und 151 Euro in der EU. Der Abstand sei seit 2008 laufend gestiegen.

Mehr als die Hälfte der Förderungen in den USA entfiel 2010 mit 94 Mrd. Dollar auf interne Nahrungsmittelhilfe, heißt es in einer Mitteilung von momagri am Dienstag. Diese gelte zwar offiziell als Sozialleistung, sei aber in Wahrheit eine Subvention für den US-amerikanischen Agrar- und Lebensmittelsektor. In Europa stellen hingegen die direkten Beihilfen zum Lebensstandard mit 64 Prozent (48,5 Mrd. Euro) den Löwenanteil der Agrarförderungen. Darunter fallen insbesondere Betriebsprämien.

EU entkoppelt von Marktpreisen

Zwischen 2005 und 2010 sind nach Berechnung von momagri die Agrarsubventionen in der EU nur um 8,5 Prozent, von 70,4 Mrd. Euro auf 76,3 Mrd. Euro, gestiegen. In den USA hingegen um gut die Hälfte von 107,9 Mrd. Dollar auf 172,8 Mrd. Dollar darunter 14,9 Mrd. Dollar an Effekten aus der Wechselkurspolitik.

In Europa sei das Agrarfördersystem auf die Unterstützung der Bauern ausgerichtet, aber von Produktion und Marktpreisen entkoppelt. Damit könne man nicht effizient auf Preisschwankungen reagieren, kritisiert momagri. Die ab 2013 angekündigte Agrarreform werde dieses Problem noch verschärfen. Werde nicht gegengesteuert, werde es zu einer wachsenden Importabhängigkeit bei Lebensmitteln kommen. Diese Tendenz habe bereits eingesetzt: Im Lauf des vergangenen Jahrzehnts habe die Europäische Union ihre Einfuhren verdoppelt und importiere "allem Anschein nach derzeit den Gegenwert von über 32 Millionen Hektar Anbaufläche, was ungefähr der Größe Deutschlands entspricht", heißt es in der Aussendung unter Berufung auf eine Studie der Humboldt-Universität. (APA, 26.6.2012)

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