Ertrinken - die Todesursache Nummer eins bei Kleinkindern

24. Juni 2003, 10:21
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Neunzig Prozent der Kleinen sind zum Zeitpunkt des Unfalls unbeaufsichtigt

Wien - Bei Kleinkindern - zwischen ein und vier Jahren - ist Ertrinken in ganz Europa die häufigste Todesursache. In Österreich sterben zwanzig Prozent aller tödlich verunglückten Kinder im Wasser.

Im Europa-Vergleich ereignen sich die meisten derartigen Unfälle in Finnland, den Niederlanden und Österreich. Mit der Aktion "Spaß im Nass - aber sicher 2003" - die am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert wurde - will der Verein "Große schützen Kleine" über Gefahrenquellen informieren.

"Lautloser Vorgang"

"Ertrinken ist ein komplett lautloser Vorgang", sagte Univ. Prof. Michael E. Höllwarth, Vorstand der Universitätsklinik für Kinderchirurgie in Graz. Er betonte, dass Ertrinken ein besonders leiser, aber sehr schneller Vorgang sei.

Nach bereits zwei Minuten unter Wasser setze das Bewusstsein aus. Der Mund und die Nase geraten unter Wasser. Ein "Totstellreflex" ist die Folge: Kinder, die ins Wasser fallen, erschrecken und bewegen sich nicht mehr. Bereits eine Wassertiefe von nur zehn Zentimetern könne in manchen Fällen tödlich sein.

Ein Drittel muss mit Einschränkungen leben

Im Jahr 2001 ertranken in Österreich acht Kinder, sechs davon waren unter fünf Jahre alt. Neben tödlichen Unfällen im Auto - bei denen die Kinder mitfahren - ist Ertrinken somit die Todesursache Nummer eins bei Kindern. Auf jeden tödlichen Ertrinkungsfall kommen vier weitere Kinder, die im Krankenhaus landen. Ein Drittel dieser jungen Menschen muss nach dem Unfall mit Behinderungen - Einschränkungen im Bewegungsablauf sowie der geistigen Funktionen - leben.

Unbeaufsichtigt

Die schockierende Bilanz: Der überwiegendste Teil der Kinder ist zum Zeitpunkt des Unfalltodes unbeaufsichtigt. "Neunzig Prozent der Unfälle passieren im unmittelbaren Umfeld, im Umkreis von zehn Metern", sagte Höllwarth. Die meisten Mädchen und Buben ertrinken in privaten Swimmingpools, Plantschbecken oder Schwimmteichen.

Kleinkinder nie unbeaufsichtigt lassen

Oftmals seien Eltern nur für kurze Zeit abgelenkt. Telefonieren, Kochen oder Erledigungen im Haushalt zählen dabei zu den Hauptursachen. Der Experte rät daher, Kleinkinder nie unbeaufsichtigt in die Nähe des Wassers zu lassen. Auch Hilfsmittel wie Schwimmreifen, Plastikbälle oder Luftmatratzen bewahren nicht vor dem Ertrinken. Die einzig "relativ sichere" Schwimmhilfe, so Höllwarth, seien Schwimmflügel mit mehreren Kammern.

Schwimmkurs allein reicht nicht

Auch ein Schwimmkurs allein reicht nicht aus, damit die Kleinen sicher sind. "Nach einem Kurs müssen Kinder beobachtet werden, da sie die Sicherheit im Wasser erst nach einiger Zeit erwerben", sagte Gerald Innerwinkler, Stellvertretender Technischer Leiter der Österreichischen Wasserrettung (ÖWR).

Die ÖWR, der Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungen und Merkur Versicherung unterstützen gemeinsam mit dem Verein "Große schützen Kleine" diese Aktion. Der gemeinsame Folder wurde an alle österreichischen Kindergärten verschickt. Ab Juli ist im ORF auch ein eigener Werbespot zu sehen. In BauMax-Handlungen liegen eigene Sicherheits-Ratgeber zum Bau eines Pools oder eines Schwimmteiches auf. (APA)

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