Women on Waves legten in Polen an

26. Juni 2003, 20:52
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"Demokratietest" provozierte heftige Streits zwischen SympathisantInnen und DemonstrantInnen

Warschau - Das holländische Abtreibungsschiff "Langenort" lag von Sonntag bis Donnerstag in dem kleinen polnischen Ostseehafen Wladyslawowo (Ellerwald) bei Elbing vor Anker, begrüßt von enthusiastischen SympathisantInnen und wütenden DemonstrantInnen. Im katholischen Polen sind Abtreibungen nur in engen Grenzen - bei Gefahr für das Leben der Mutter, Missbildungen des Fötus und Vergewaltigung - erlaubt.

Eier und rote Farbe für "Langenort"

Die "Langenort" wird von der holländischen Stiftung "Frauen auf Wellen" (WOW) betrieben und bietet Abtreibungen in internationalen Gewässern an. AbtreibungsgegnerInnen schleuderten Eier und rote Farbe gegen das Schiff und beschimpften die Besatzung und ihre polnischen SympathisantInnen mit "Mörder" und "Gestapo". Polizei und Grenzbeamte gingen an Bord, um nach der "Abtreibungspille" RU-48 zu suchen. Hafenkapitän Kazimierz Undro verhängte ein Auslaufverbot über die "Langenort", weil sie angeblich trotz Verbots in den Hafen eingelaufen sei. Ihr Kapitän soll das Einlaufen schriftlich erklären; dem Schiff droht eine Geldstrafe bis 60.000 Zloty (13.500 Euro).

Liberales Abtreibungsrecht seit 1993 wieder verschärft

Das in kommunistischen Zeiten liberale polnische Abtreibungsrecht wurde unter dem Druck der katholischen Kirche 1993 wieder verschärft. Frauenrechtsgruppen fordern die Möglichkeit einer legalen Abtreibung auch aus "sozialen Gründen", etwa einer finanziellen Notlage, um der wachsenden Zahl illegaler Abtreibungen entgegen zu wirken.

"Kultur des Todes" als Herausforderung für die Kirche

Bereits vor der Ankunft der "schwimmenden Abtreibungsklinik" war es in Polen zu heftigen Diskussionen gekommen. Staatspräsident Aleksander Kwasniewski und Vertreter der katholischen Kirche kritisierten die Aktion. Der Danziger Erzbischof Tadeusz Goclowski appellierte an die Behörden, gegen das Schiff vorzugehen, weil es die Tötung von polnischen Bürgern propagiere. Der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Bischof Piotr Libera, sprach laut Kathpress von einem "Schiff des Todes". Das Schiff sei Symbol einer "anthropologischen Katastrophe". Die "Kultur des Todes" stelle eine besondere Herausforderung für die Kirche dar. Am Samstag blockierten Fischkutter den Eingang zum Hafen.

Unklarheit über "Dienste" auf dem Schiff

Rebecca Gompert, Leiterin der Stiftung "Women on the Waves" und Organisatorin der Fahrt nach Polen, wollte die Frage nicht beantworten, welche "Dienste" auf dem Schiff angeboten werden. Es gehe darum, die Diskussion wach zu halten; außerdem biete "Women on waves" Frauen in exterritorialen Gewässern Workshops über Familienplanung und Empfängnisverhütung an. Der Besuch des Schiffes sei ein "Demokratietest"; in Polen gebe es alljährlich zehntausende illegale Schwangerschaftsabbrüche. "Women on Waves" hatte im vergangenen Jahr auch vor der irischen Küste für ein "liberaleres" Abtreibungsrecht geworben. Polnische "Pro life"-Organisationen vermuten, dass auf dem Schiff die in Polen verbotenen RU 486-Tabletten angeboten werden. (APA/dpa)

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    Mit Rosenkreuzen empfingen katholische AbtreibungsgegnerInnen das holländische Abtreibungsschiff
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