Novomatic droht Mega-Strafe in Italien

13. Juni 2012, 18:05
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Die Niederösterreicher haben in Italien eine Riesenstrafe ausge­fasst, die Italien-Tochter soll 150 Millionen an Schadenersatz leisten

Wien - Der Glücksspielkonzern Novomatic hat nicht nur in Österreich mit der Justiz zu kämpfen. In Italien hat das in Niederösterreich ansässige Unternehmen eine Riesenstrafe ausgefasst: 150 Millionen an Schadenersatz soll die Italien-Tochter G. Matica leisten. Der Konzern erachtet die Forderung als "völlig unberechtigt" und legt Berufung gegen die erstinstanzliche Entscheidung ein, wie es aus Gumpoldskirchen heißt.

Zentrale Server zur Abrechnung

Novomatic befindet sich in guter Gesellschaft, wurden doch alle Konzessionsnehmer im Geschäft mit Glücksspielautomaten verurteilt. In Summe beträgt das Strafausmaß stolze 2,5 Milliarden. Zudem wurden Geldstrafen über den Chef der staatlichen Monopolverwaltung (AAMS), seinen Vize sowie den für Glücksspiel zuständige Bereichsleiter verhängt. Im Kern geht es bei der Entscheidung des Corte dei Conti, der in Italien nicht nur als Rechnungshof, sondern auch als Verwaltungsgericht tätig ist, um die mangelnde elektronische Anbindung der Automaten an einen zentralen Server zur Spielabrechnung.

Bei der Ausschreibung der Konzessionen im Jahr 2004 nach der von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi veranlassten Liberalisierung mussten die Interessenten die ständige Verbindung der sogenannten Video-Lotterie-Terminals (VLT) zusichern, für jede Stunde im Offline-Modus wurde eine Pönale von 50 Euro festgelegt. Damit wollte Rom sicherstellen, dass die Spielumsätze auch voll versteuert werden. Bereits 2004 startete die Steuerbehörde Guardia di Finanza Ermittlungen, ihr zufolge bedeutet die fehlende Anbindung der Geräte an die Abrechnungsstelle ein Strafausmaß von 90 Mrd. Euro.

Eldorado der Branche

Tatsächlich gilt Italien als Eldorado der Branche. Im Vorjahr beliefen sich die Spielumsätze auf 80 Mrd. Euro, die Regierung kassierte knapp neun Milliarden an Steuern. Mehr als die Hälfte davon entfällt auf den VLT-Sektor, dahinter rangieren die klassischen Lotterien und Sportwetten. Heuer vergibt Rom zudem 1000 Poker-Lizenzen, der Staat nascht mit bescheidenen drei Prozent an den Spielumsätzen mit. Novomatic ist mittlerweile zur Nummer eins am italienischen Markt aufgestiegen und laut Fachzeitschrift Global Gaming Business mit 14.000 der 24.000 VLTs vertreten. Insgesamt werden acht der zehn Konzessionäre beliefert. Darunter befindet sich die eigene Gesellschaft G. Matica, die rund 70 Spielhallen betreibt. Mit 117 Millionen Euro Umsatz war das Land für Novomatic der drittwichtigste Markt hinter Deutschland und Österreich. Auch heuer erwartet der Konzern Steigerungen.

Die Öffnung des italienischen Marktes bringt freilich auch Probleme: Der Europäische Gerichtshof hat das Land verurteilt, weil die Mindestabstände zwischen den Wettstandorten die bestehenden Anbieter begünstige und potenzielle Rivalen diskriminiere. Bei der Zuerkennung von Lizenzen wurde überdies fehlende Transparenz bemängelt. (Andreas Schnauder, DER STANDARD; 14.6.2012)

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    Novomatic-Chef Franz Wohlfahrt

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