Kindergartenpädagoginnen gehen auf die Straße

10. Juni 2012, 18:25
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Protest gegen je nach Bundesland unterschiedliche Schließzeiten

Wien - Wenn am Montag die Kindergartenpädagoginnen in Wien auf die Straße gehen, dann wissen selbst Organisatorinnen wie die Obfrau der Wiener Berufsgruppe, Raphaela Keller: "Es gibt keine gute Zeit dafür." Schließlich müssen um 14 Uhr bei Veranstaltungsbeginn am Ballhausplatz die meisten der betroffenen Pädagoginnen (de facto sind es fast nur Frauen) arbeiten - zumindest in Wien. In der Steiermark hätte ein Großteil von ihnen bereits frei: Dort sperren nämlich laut Institut für Familienforschung rund 60 Prozent der Kindergärten vor 14 Uhr zu.

Schließzeiten variieren

Die nach Bundesland stark variierenden Schließzeiten sind ein Grund für den Protest. Denn Länderkompetenzen seien "zu wenig", gefordert wird die Bundeszuständigkeit für den Kindergartenbereich. Ein anderer, zentraler Punkt findet sich auf Seite 18 des seit 2009 festgeschriebenen Bildungsrahmenplanes: "Inklusive Pädagogik erkennt die Unterschiedlichkeit der Kinder sowie ihre verschiedenen Begabungen an. Damit stehen das gemeinsame sowie das individuelle Lernen für alle im Zentrum." Darüber sind sich zwar alle einig. Bloß: "Individuelle Förderung geht nicht bei den bestehenden Gruppenzahlen", beklagt Kellers Salzburger Kollegin Maria Zeilinger im Gespräch mit dem Standard.

Österreich liegt sowohl was die Gruppengröße, als auch was das die erwünschte Zahl der Pädagoginnen pro Kind betrifft, deutlich über den Empfehlungen internationaler Experten. In Salzburg hat man sich also dazu entschlossen, die - inhaltlich völlig erwünschten - Bildungspläne wieder zurück an Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) zu schicken.

"Die Rahmenbedingungen passen nicht zu den pädagogischen Konzepten", formuliert die Wiener Obfrau Keller den Unmut vieler Kolleginnen. Neben den vielen Kindern pro Gruppe machen den Pädagoginnen auch die räumliche Beengtheit, die schlechten Verdienstmöglichkeiten, die fehlende Zeit für Vor- und Nachbereitung oder für Elternarbeit zu schaffen. Und das wirke sich letztlich auf die Kinder aus.

Zwar zeigten sich im Unterausschuss zum Bildungsvolksbegehren alle Parteien bereit, in die Elementarpädagogik (von null bis sechs Jahren) zu investieren, Keller hegt aber Zweifel, ob es auch zur Umsetzung kommt. Angesichts des österreichweiten Pädagogenmangels warnt sie also vorsorglich vor der "Einsturzgefahr". (kiss, DER STANDARD, 11.6.2012)

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