Zahnputztechniken im Vergleich

6. Juni 2012, 16:56
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Medizinpsychologen haben in einer Studie erforscht, welche die bessere Zahnputzmethode ist: jene nach Fones oder nach Bass

Gießen - Zähneputzen gehört für die meisten zum täglichen Ritual. Gleichzeitig leiden aber viele Menschen unter Erkrankungen, die mit mangelnder Mundhygiene in Zusammenhang gebracht werden (siehe Artikel). Oft fehlt das Wissen darüber, wie die Zähne am besten zu reinigen sind. Und auch die Fachliteratur ist sich in diesem Punkt nicht ganz einig: Zwar werden in der Zahnmedizin viele Zahnbürsttechniken beschrieben, bis heute fehlen aber wissenschaftliche Belege dafür, welche Technik sich am besten für die häusliche Mundhygiene eignet.

An der Justus-Liebig-Universität Gießen hat sich daher ein multidisziplinäres Team unter Leitung des Instituts für Medizinische Psychologie zusammengefunden, um dieser Frage nachzugehen. In der Zusammenarbeit zwischen Zahnmedizin, Medizinischer Psychologie und Bewegungswissenschaften wurden Computerpräsentationen entwickelt, die jeweils eine von zwei in der Zahnmedizin in Deutschland besonders häufig empfohlenen Bürsttechniken vermitteln sollten: die Fones-Technik und die modifizierte Bass-Technik.

Putztechniken nach Fones und Bass

Die Fones-Technik kann sehr leicht erlernt werden und ist daher auch für Kinder bestens geeignet. Dabei werden Ober- und Unterkiefer an den Schneidezähnen aufeinander gesetzt und die Zahnbürste, senkrecht zur Zahnoberfläche, in kreisförmigen Bewegungen an der gesamten Außenfläche entlang geführt. An der Innenseite wird mit kleineren Kreisen bei geöffnetem Mund gearbeitet. Die Kauflächen werden mit horizontalen Hin- und Herbewegungen der Bürste geputzt.

Die Bass-Technik wird Erwachsenen häufig von Zahnärzten empfohlen und zeichnet sich durch Rütteln an einer Stelle aus. Dabei sollte die Zahnbürste schräg, in einem Winkel von 45 Grad zum Zahnfleisch, gehalten werden. Durch diese Methode soll Plaques in den Zahnzwischenräumen besser entfernt werden.

Fones-Technik ist Favorit bei Studenten

Bei den Computer-Präsentationen, die die Techniken vermitteln sollten, wurden aber nicht nur zahnmedizinische Aspekte bedacht, wie etwa die Frage nach der richtigen Darstellung der Technik. Auch medizinpsychologische Kenntnisse zur Förderung des Verstehens, Behaltens und Umsetzens des Erlernten wurden berücksichtigt, ebenso wie bewegungswissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie Bewegungsabläufe am besten gelernt und eintrainiert werden.

In einer soeben in der Zeitschrift PLoS ONE publizierten Studie konnte das Autorenteam zeigen, dass solche Computerpräsentationen helfen können, die Mundhygienefertigkeiten Studierender zu verbessern. Dabei erzielte die Fones-Technik die besten Erfolge. "Die Fones-Technik erinnerte viele an das, was sie bereits im Kindergarten gelernt hatten. Möglicherweise begründet das ihren Erfolg", so die Leiterin des Instituts für Medizinische Psychologie Renate Deinzer in einer Aussendung über die Ergebnisse. Die Forscher hätten allerdings erwartet, dass die Bass-Technik, die in der Zahnmedizin oft für die Methode der Wahl zur Bekämpfung von Zahnfleischentzündungen und Parodontitis gehalten wird, besser abschneidet. Das Erlernen dieser Technik fiel aber den Studierenden schwer und brachte ihnen keinen Erfolg.

Faulheit oder Mangel an Fertigkeiten

In weiteren Studien müsse überprüft werden, ob sich dieses Ergebnis auch in anderen Bevölkerungsgruppen bestätigt. "Ganz unabhängig davon waren für uns die mangelnden Hygienefertigkeiten der Studierenden zu Studienbeginn erschreckend. Möglicherweise ist mangelnde Mundhygiene tatsächlich häufig keine Frage mangelnder Motivation sondern mangelnder Fertigkeiten", so Studienleiterin Deinzer. Umso wichtiger wäre es demnach, diese Fertigkeiten in der Praxis zu überprüfen und nötigenfalls zu verbessern. Deinzer: "Unsere Forschungsaufgabe sehen wir darin, in multidisziplinärer Zusammenarbeit Wege zu finden, wie dies am besten gelingt." (red, derStandard.at, 6.6.2012)

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    Computerpräsentationen können helfen, die Mundhygienefertigkeiten Studierender zu verbessern.

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