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Wind und Fotovoltaik brauchen starke Netze

5. Juni 2012, 15:23

Europa baut sein Energiesystem um und benötigt immer mehr erneuerbare Erzeugungseinheiten. Das lässt die Anforderungen an die Netzbetreiber stark steigen

Durch den laufenden Umbau des Energiesystems in Kombination mit dem deutschen Atomausstieg nimmt die Zahl der „akuten Stresssituationen" im deutschen - und im österreichischen - Stromnetz zu. Damit steigt auch die Gefahr eines Blackouts. 2011 musste der Übertragungsnetzbetreiber Austrian Power Grid (APG) rund 2500 Mal stabilisierend ins Netz eingreifen. 2009 waren nur 1800 Eingriffe nötig. Und auch für das Jahr 2012 gibt es bereits einige Beispiele kritischer Netzsituationen, die durch hohes Windaufkommen in Deutschland, wo inzwischen über 29.000 MW Windkraftleistung installiert sind, ausgelöst wurden. So erreichte der Stromimport aus Deutschland an einem Februartag den historischen Höchstwert von 6200 MW. Zum Vergleich: An einem durchschnittlichen Wintertag liegt der gesamte Verbrauch in Österreich bei rund 9000 MW.

Das Gesamtsystem mitbedenken

Wenn man das Energiesystem stärker in Richtung Nachhaltigkeit umbauen will, dann muss in großen Zusammenhängen gedacht werden. Damit Europa seine Klimaziele erreichen kann, ist nicht nur ein breiter Mix an Erzeugungseinheiten - Wasserkraft, thermische Kraftwerke und neue erneuerbare Energien - notwendig. Es bedeutet vor allem, dass große zentrale und kleine dezentrale Einheiten aufeinander abgestimmt funktionieren müssen.

Überhaupt werden die optimale Einbindung erneuerbarer Energiequellen und die Speicherung der Überproduktion aus Wind- und Sonnenstromanlagen erst durch eine moderne und leistungsfähige Netzinfrastruktur möglich. Sie muss in der Lage sein, plötzlich auftretende Überproduktionen aus Wind- und Sonnenenergie über weite Strecken zu den zurzeit einzige großtechnischen Stromspeichermöglichkeiten, den Pumpspeicherkraftwerken, transportieren zu können. Mit dem Zuwachs bei den Erneuerbaren steigt gleichzeitig der Bedarf an Regelenergie stark an. Und diese erforderliche Regelleistung können wiederum die „grünen Batterien" Pumpspeicherkraftwerke zur Verfügung stellen.

Starke Nerven gefragt

Wind und Fotovoltaik brauchen starke Netze. So muss - pointiert formuliert - das Motto der nächsten Jahre im Zusammenhang mit dem Netzausbau lauten. Es führt kein Weg daran vorbei, denn das nachhaltige Energiesystem der Zukunft braucht vor allem eins: ein starkes „Nervensystem".

Grundvoraussetzungen für die gewünschte europäische Energiewende sind moderne und leistungsfähige Übertragungsnetze, welche die täglichen und saisonalen Produktionsschwankungen - vor allem durch Windkraft und Fotovoltaik - ausgleichen helfen sollen.

Vor zehn Jahren belief sich die installierte Windkraftleistung in Europa auf rund 10.000 MW. Bis zum Jahr 2010 stieg dieser Wert auf 80.000 MW. Prognosen gehen davon aus, dass bis 2020 rund 200.000 MW an installierter Windkraftleistung am Netz sein sollen. Allein in Österreich rechnet man bis 2020 mit einer Verdreifachung der Windkraftleistung auf über 3000 MW und bei Fotovoltaik sogar mit einer Verzwölffachung der Leistung auf über 1200 MW.

Fitness-Programm für die Stromnetze

Die Netzinfrastruktur ist für solche Entwicklungen nur unzureichend vorbereitet. Die Konzeption der heutigen Netze stammt teilweise noch aus den 1950er-Jahren und der dringend notwendige Netzausbau hinkt der Entwicklung im Bereich der Erneuerbaren hinterher: in Europa müssen in den nächsten zehn Jahren rund 35.000 Kilometer neuer Hochspannungsleitungen gebaut werden.
In Österreich sind im Bereich der Übertragungs- und Verteilnetze in den kommenden zehn Jahren Investitionen von 8,2 Mrd. Euro geplant. 4,5 Mrd. Euro sollen allein bis 2015 investiert werden, weitere 3,5 Mrd. Euro sind aus heutiger Sicht bis zum Jahr 2020 geplant. Von dieser Investitionssumme fließen 2,3 Mrd. Euro in den Hochspannungsbereich der Übertragungsnetze und der größere Anteil von 5,9 Mrd. Euro in die Erweiterung und Instandhaltung der Verteilnetze. Nicht enthalten in diesen Summen sind die Kosten für die Installation der Smart Meter und den Ausbau smarter Netze. Insgesamt ergeben sich damit in Summe voraussichtlich Netzinvestitionen von 13 Mrd. Euro bis 2020.

Neben Fragen der Finanzierung solcher Investitionen sind es vor allem die langen Verfahrensdauern, die eine Herausforderung für die Netzbetreiber darstellen und den Hauptgrund darstellen, warum der Netzausbau der Entwicklung im Bereich der Erneuerbaren hinterherhinkt.

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    foto: oesterreichs energie/christian fischer

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