Jeder Heldin ihren Platz

6. Juni 2012, 12:36
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In Mariahilf erinnert ab nun ein eigener Platz an die erste Frauenministerin Österreichs

Dass Frauenpersönlichkeiten im städtischen Gedächtnis kaum eingeschrieben sind, ist seit vielen Jahrzehnten ein offenes Geheimnis. Erst jüngst scheiterten Aktivistinnen daran, den endlich zur Umbenennung ausgerufenen Dr.-Karl-Lueger-Ring mit einem Frauennamen zu versehen. Aus "Bertha-von-Suttner-Ring" wurde nichts, und auch der "Johanna-Dohnal-Ring" konnte nicht verwirklicht werden.

Legendär schon zu Lebzeiten

Doch überraschend gibt es nun auch gute Nachrichten an der vermännlichten Straßenfront: Künftig wird es einen "Johanna-Dohnal-Platz" in Wien-Mariahilf geben, der nach der im Februar 2010 verstorbenen ersten Frauenministerin Österreichs benannt ist.

Als Ort hat sich die SPÖ Mariahilf einen kleinen, aber schönen Platz ausgesucht: an der Mündung zwischen Rahlgasse und Gumpendorfer Straße ist der Johanna-Dohnal-Platz künftig zu finden.

Fest zu Ehren von Johanna Dohnal

Am Dienstag feierte der Bezirk die feierliche Enthüllung des Platzschildes unter Beteiligung zahlreicher PolitikerInnen, Kulturschaffender und des angrenzenden Top-Kinos. Die amtierende Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek erklärte, sie sei stolz darauf, Frauenministerin in der Tradition nach Johanna Dohnal zu sein. Sie erinnerte gemeinsam mit Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, Vizebürgermeisterin Renate Brauner, Frauenstadträtin Sandra Frauenberger, der Lebenspartnerin Dohnals Annemarie Aufreiter und Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann an die "Ikone der Frauenpolitik" Johanna Dohnal, ihren Kampf für Frauenrechte, aber auch an die Frustrationen und Zurückweisungen, die diese sowohl von Männern als auch Frauen erleben musste.

Neben einem Gespräch von Weggefährtinnen der Frauenpolitikerin mit Petra Unger gab es auch literarische und musikalische Einlagen. Im Top-Kino wurden zudem "Club 2"-Aufzeichnungen mit Johanna Dohnal gezeigt und SchülerInnen des angrenzenden Rahlgymnasium diskutierten über ihre Ansichten zu Frauenpolitik in Österreich.

Alternative Peripherie

Einen Platz im Zentrum Wiens hat sich Johanna Dohnal freilich verdient. Das Gleiche könnte man aber auch über eine große Straße sagen. Mit der Benennung dieses vergleichsweise kleinen Platzes hat sich die Stadt die Chance vertan, eine größere Einrichtung nach der Frauenpolitikerin zu benennen. Otto Steinbach, Sprecher von Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann, wägt ab: "Neubenennungen von großen Straßen kommen in Wien praktisch nur an der Peripherie vor und hätten wir uns das für Dohnal gewünscht?" Da bleiben sie lieber in Mariahilf und freuen sich, dass die frauenpolitische Legende in einer lebendigen und populären Gegend ihren Platz gefunden hat. (freu, dieStandard.at, 5.6.2012)

  • Die versammelt SPÖ-Frauenriege enthüllte am Dienstag das Namensschild des "Johanna-Dohnal-Platzes" in Wien, Mariahilf.
    foto: bka/hbf/harald minich

    Die versammelt SPÖ-Frauenriege enthüllte am Dienstag das Namensschild des "Johanna-Dohnal-Platzes" in Wien, Mariahilf.

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    Im öffentlichen Raum ist Johanna Dohnal erfreulich präsent. So wurden zu ihrem Gedenken im Sommer 2011 im Rahmen eines Kunstprojektes 23 Birken in 23 Parks gepflanzt. Im September 2011 erfolgte die Benennung des Gemeindebau Jenullgasse in Penzing nach Johanna Dohnal.

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