B-&-C-Stiftung der BA-CA greift nach allen Semperit-Aktien

20. Juni 2003, 19:09
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Die Wiener Städtische lehnt das Übernahmeangebot zum Kauf der Semperit-Aktien ab, weil es zu billig sei

Wien - Die B-&-C-Stiftung der Bank Austria hat nun offiziell das im Mai angekündigte Übernahmeangebot für die Semperit AG gelegt: Den Aktionären des Erzeugers hochwertiger Gummiprodukte werden 13,93 Euro pro Aktie geboten. Die Angebotsfrist läuft bis 1. August 2003.

Die B-&-C-Gruppe hat Mitte Mai überraschend ein 17,5-prozentiges Aktienpaket der Cross Invest Holding von KTM-Vorstandschef Stefan Pierer erworben. Für den Erwerb der Aktien hat die Stiftung im BA-CA-Bereich rund 52 Mio. Euro oder 14,34 Euro je Aktie bezahlt und damit ihren Anteil an Semperit von 25,3 auf 42,8 Prozent erhöht. Damit wurde ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre der Semperit AG Holding ausgelöst, da die gesetzlich relevante Schwelle von 30 Prozent überschritten wurde.

Der Generaldirektor der Wiener Städtischen Versicherung, Günter Geyer, dessen Institut 25 Prozent an Semperit hält, sagte am Freitag zum STANDARD, dass er das Angebot der B&C Stiftung nicht annehmen werde. Geyer findet den Wert nicht angepasst. Als Begründung zitierte der Städtische-Chef ein Gutachten, dass auf einen Wert je Aktie von 21 Euro kommt. Außerdem hat die Städtische Semperit mit 19 Euro/Aktie in den Büchern stehen. Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger verhält sich "neutral" und rät jenen Aktionären, die schon länger Semperit-Aktien haben, Kassa zu machen. Für jene die noch nicht so lange dabei sind, gebe es noch Kurspotenzial, wenngleich man sich keine spektakulären Kurssprünge erwarten dürfe.

B-&-C-Geschäftsführer Karl Schmutzer bekräftige, dass die Semperit-Aktie auch künftig an der Wiener Börse notieren wird. "Wir streben kein Delisting der Semperit an", sagte Schmutzer. Die Aktie notierte am Freitag bei 13,91 Euro.

Um die Rechtmäßigkeit der B-&-C-Stiftung ist in den vergangenen Wochen heftig diskutiert wurden. Laut profil hat die Wiener Rechtsanwältin und ehemalige Kanzleipartnerin von Justizminister Dieter Böhmdorfer, Huberta Gheneff-Fürst unter dem Titel "Rechtliche Stellungnahme", ein Gutachten erstellt. Der Inhalt: mutmaßliche Gesetzesübertretungen der Bank Austria Creditanstalt bei der Errichtung der B-&-C-Privatstiftung im Dezember 2000. Die Bank Austria hat damals ihre Industriebeteiligungen u.a. Porr und Lenzing in die Stiftung ausgegliedert. (Claudia Ruff, Der Standard, Printausgabe, 21.06.2003)

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