Andritz: Analysten bleiben bei "Buy"

30. Mai 2012, 15:15
posten

Wien - Als "eine angenehme Überraschung" stufen die Analysten der UBS in ihrer aktuellen Andritz-Studie die am Vortag angekündigte Übernahme des deutschen Metallpressen-Herstellers Schuler ein. Der steirische Anlagenbauer weise in Sachen Übernahmen eine gute Erfolgsbilanz auf und Schuler könnte diese Liste fortsetzen, schreibt Analyst Sven Weier in einer ersten Reaktion auf den Deal.

Auf Basis aktueller Konsensusschätzungen, ohne Berücksichtigung von Synergien sowie unter der Annahme eines Zinssatzes von zwei Prozent erwartet er für 2013 Steigerungen von 24 Prozent beim EBITA bzw. 15 Prozent beim Gewinn je Aktie (EPS) infolge des Schuler-Deals. Synergien sieht er sowohl auf der Kosten- als auch auf der Verkaufsseite. Weier stuft die Andritz-Aktie weiterhin mit "Buy" ein - bei einem Kursziel von 45,0 Euro.

Auch die Analysten der Berenberg Bank bedenken das Papier mit einer Kaufempfehlung, das Kursziel beziffern sie mit 48,00 Euro. Bei Einbeziehung des Deals, was aktuell noch nicht geschehen sei, würde sich aber ein Ziel von 50 Euro ergeben, schreiben die beiden Experten Stephan Klepp und Dominik Podewils. Sie errechnen die mit der Schuler-Übernahme einhergehenden Steigerungen bei operativem Ergebnis und EPS mit 29 bzw. 26 Prozent, den Umsatz sehen sie um 23 Prozent anziehen. Insgesamt sprechen sie von einem "billigen Deal".

JP Morgan verweist auf Konjunktursensibilität

Die Experten von JP Morgan geben indes die verstärkte Konjunktursensibilität, die der Deal nach sich ziehen würde, zu bedenken. Zwar habe Andritz eine großartige Erfolgsbilanz mit Übernahmen, mit diesem Schritt nun würden sich die Steirer aber etwas außerhalb der Wohlfühlzone bewegen, kommentieren Andreas Willi, Joseph Peter und Alexander Whight in ihrer aktuellen Studie.

Die Übernahme würde den Business-Mix weg von der stabilen Hydro-Sparte und dem zyklischen, aber von strukturellem Wachstum profitierenden Bereich Pulp & Paper verändern, meinen sie. "Die finanziellen Maße passen und wir sehen eine gewisse Produktüberlappung, aber wir merken an, dass Schuler ein eher zyklisches Geschäft ist, was das Portfolio der Andritz nicht verbessert und zu diesem Zeitpunkt gewisse Risiken birgt", fassen sie zusammen. Ihre Einstufung "Overweight" bleibt vorerst unverändert.

Am Mittwochnachmittag tendierten Andritz-Papiere an der Wiener Börsen um 2,45 Prozent tiefer bei 40,98 Euro. In Reaktion auf die Übernahmeankündigung waren die Anteilsscheine am Vortag um 3,70 Prozent auf den neuen Rekordschlusskurs von 42,00 Euro geklettert.

Übernahme von Schuler

Am frühen Dienstagnachmittag hatte die Andritz überraschend die Übernahme des deutschen Metallpressen-Herstellers Schuler angekündigt. Das Unternehmen mit rund 1 Mrd. Euro Umsatz und 5.000 Mitarbeitern soll über ein freiwilliges Übernahmeangebot akquiriert und in die drittgrößte Division Metals eingegliedert werden, teilte das Unternehmen mit. Die neben der VA Tech Hydro bisher größte Einzelakquisition werde die Andritz bis zu 590 Mio. Euro kosten. Nach dem Erwerb von 38,5 Prozent von den bisherigen Kernaktionären hat die Andritz ein freiwilliges Übernahmeangebot über die restlichen Aktien in Höhe von 20 Euro gelegt. (APA, 20.5.2012)

Share if you care.