Schöne neue Einkaufswelt in Libyen

Blog29. Mai 2012, 14:05
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Die tunesische Filiale der französische Supermarktkette Monoprix will 25 Millionen in Libyen investieren

Libyen hat keine wirklich funktionierende Regierung. Verschiedene Milizen kontrollieren unterschiedliche Landesteile. Das Gespenst des Zerfalls in verschiedene Regionen geht um. Bald jedoch werden alle Libyer eines gemeinsam haben: Ob in Tripolis, Sibrata oder Benghasi, wird künftig, wer das Geld dazu hat, seinen Einkauf bei Monoprix tätigen. Die tunesische Filiale der französischen Supermarktkette will zehn Geschäfte im ehemaligen Reich von Muammar al-Gaddafi eröffnen. Noch dieses Jahr soll der erste Supermarkt in Tripolis eingeweiht werden. Insgesamt will Monoprix 25 Millionen Euro in Libyen investieren.

Für Monoprix Tunesien ist es eine Flucht nach vorn. Denn im Stammland selbst ist das Geschäft eingebrochen. Schuld daran ist die Revolution, die Tunesiens Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali am 14. Jänner 2011 hinwegfegte. Monoprix Tunesien stand unter Kontrolle des verhassten Clans der Präsidentengattin Leila Trabelsi. 13 Supermärkte wurden in der ersten Jännerhälfte 2011 angegriffen und geplündert. Vier Geschäfte brannten völlig aus, darunter das in Bizerte auf dem Foto, aufgenommen am 20. Jänner 2011. Insgesamt entstand ein Schaden von umgerechnet fünf Millionen Euro. Nach dem Ende des Regimes haben sich viele Tunesier wieder auf die traditionellen Märkte besonnen, statt ihr Geld zu einem Symbol der alten, korrupten Ordnung zu tragen. 2011 sank der Umsatz von Monoprix Tunesien auf die Hälfte.

"Wir hatten in Tunesien zu Zeiten Ben Alis zehn Millionen Sportkommentatoren. Das war das einzige Thema, über das Diskussionen möglich waren. Heute sind es zehn Millionen politische Experten", beschrieb der Generaldirektor von Monoprix Tunesien, Adel Ayed, wenige Wochen nach der Revolution den Wandel unter seiner potenziellen Kundschaft. Um das angeschlagene Image aufzubessern, redet der Chef der Supermarktkette viel von gesellschaftlicher und sozialer Verantwortung. Monoprix Tunesien beschäftigt derzeit 4.000 Mitarbeiter. Das Versprechen, weitere, vor allem junge Menschen einzustellen, soll helfen, wieder beliebt zu werden. Auch in Libyen wolle man vor allem jungen, akademischen Arbeitslosen eine Chance geben, kündigt die Supermarktkette an. (Reiner Wandler, derStandard.at, 29.5.2012)

  • In Tunesien wurden im Jänner 2011 13 Supermärkte der Kette Monoprix geplündert. Jetzt will man einen Neuanfang in Libyen wagen.
    foto: derstandard.at/wandler

    In Tunesien wurden im Jänner 2011 13 Supermärkte der Kette Monoprix geplündert. Jetzt will man einen Neuanfang in Libyen wagen.

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