Ursprüngliche Nabucco-Version soll bleiben

29. Mai 2012, 12:01
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Der asierbaidschanische Ölkonzern ist mit den Aussagen von BP zur Variante der Nabucco-Pipline nicht einverstanden

Wien/Baku - Der Vizechef des staatlichen aserbaidschanischen Öl- und Gaskonzerns Socar, Elshad Nassirov, hat die Aussagen des britischen Partners BP, die geplante Gaspipeline Nabucco sei tot, zurückgewiesen. BP ist an dem Konsortium Schah Deniz (Shah Deniz) mit 25,5 Prozent beteiligt, das das gleichnamige Gasfeld im Kaspischen Meer u.a. gemeinsam mit Socar entwickelt. "Wir haben BP mitgeteilt, dass wir mit der Aussage nicht einverstanden sind", wird Nassirov zur Tageszeitung "Die Presse".

OMV-Chef Gerhard Roiss meinte zu den BP-Aussagen am Wochenende zur "Neuen Vorarlberger Tageszeitung", dass er bereits 2011 das Konzept "Nabucco West" auf den Tisch gelegt habe, "weil dies die realistische und richtige Variante" für die europäischen Bedürfnisse sei. "Für die Nabucco West ist die BP-Meldung irrelevant."

Alternative könnte erweitert werden

Der Socar-Vize Nassirov betonte, dass nicht BP alleine über die Pipeline entscheide, die Gas aus der Kaspischen Region in die Türkei und nach Europa transportieren soll. "Gut, BP hat seine Interessen, und nur für Gas aus Schah Deniz wäre die klassische Nabucco zu groß." Dennoch bleibe für Socar die Nabucco weiterhin eine Option, denn die für das Teilstück durch die Türkei als Alternative vorgeschlagene Transanatolische Pipeline (Tanap) sei bisher nur ein Konzept, so der Socar-Manager. "Tanap, an der ja auch die OMV oder die RWE (deutscher Nabucco-Partner, Anm.) teilnehmen könnten, wäre kleiner und billiger als Nabucco, könnte aber dann erweitert werden, um Gas auch aus anderen Lagerstätten aufzunehmen", so Nassirov.

Nassirov kritisierte aber auch das Nabucco-Konsortium, das "immer unflexibel auf 31 Mrd. Kubikmeter Leitungskapazität" bestand, statt anfänglich zur Wahrung niedriger Leitungstarife mit weniger zu beginnen. Die Verantwortung, dass eine "Nabucco XL" von Turkmenistan nach Österreich nicht zustande komme, sieht Nassirov bei der EU: "Mit ihr wären viele Fragen gelöst gewesen. Aber die EU hat die 20 Mrd. Dollar dafür nicht aufgebracht." Die Chancen für die "Nabucco West" im Rennen mit der South East Europe Pipeline (SEEP) um einen Anschluss an die Tanap sieht Nassirov bei "50:50".

BP zufolge haben die Türkei und Aserbaidschan bereits ein zwischenstaatliches Abkommen und ein "Memorandum of Understanding" über den Bau der Tanap geschlossen. Auch BP soll eingeladen worden sei, sich an dem Projekt zu beteiligen und damit Socar, die türkische Botas und TPOA zu unterstützen. Bis Ende Juni will das Schah-Deniz-Konsortium über die Transportroute nach Europa entscheiden, die finale Investitionsentscheidung soll ein Jahr später bis Juni 2013 fallen. Das Nabucco-Konsortium hat im Mai ein neues Angebot an das Gasquellen-Konsortium Schah Deniz über den Transport des Gases von der türkisch-bulgarischen Grenze bis zum Gas Hub nach Baumgarten gelegt.

Klassik kostet 8 Milliarden Euro

Die 3.900 Kilometer lange geplante Nabucco-Pipeline soll Gas aus der kaspischen Region nach Europa mit einer jährlichen Kapazität von 31 Mrd. Kubikmeter Gas bringen. An dem Projekt sind neben der OMV auch die deutsche RWE, die ungarische MOL-Tochter FGSZ, die türkische Botas, die Bulgarian Energy Holding und die rumänische Transgaz zu gleichen Teilen beteiligt. Die Kosten für die "Klassik-Variante" werden vom Konsortium mit 8 Mrd. Euro beziffert, Experten gehen aber von beinahe doppelt so hohen Kosten aus.

Daneben brachte das Nabucco-Konsortium die 1.300 Kilometer lange "Nabucco West" ins Spiel, die Gas nur mehr von der türkisch-bulgarischen Grenze nach Baumgarten bringen soll. Heuer im Mai wurde dem Schah-Deniz-Konsortium ein Angebot für den Gastransport übermittelt. Die Kosten für die Kurz-Variante könnten sich für die derzeit sechs Partner auf jeweils weniger als eine Milliarde Euro belaufen, erklärte OMV-Chef Roiss Ende April. (APA, 29.5.2012)

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