Krise made in Italy

25. Mai 2012, 19:36
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Rigorose Exportregeln und Bürokratie machen dem Kunstmarkt in Italien zu schaffen

Die Situation auf dem italienischen Kunstmarkt wird immer prekärer. Langwierige Bürokratie und rigorose Exportbestimmungen haben im ohnehin wirtschaftlich schwierigen Umfeld dazu geführt, dass seit 2010 rund ein Fünftel aller Antiquitätengeschäfte ihre Pforten geschlossen haben.

Besonders in Venedig, Brescia, Bergamo, Bologna und Neapel fand ein regelrechtes Massensterben statt. "Insgesamt haben im Vorjahr 480 Geschäfte zugemacht" bestätigt auch Pasquale Muggeo, Leiter der Kulturbehörde. Auch an den Auktionshäusern ging die Krise nicht spurlos vorüber. Allein in den letzten zwei Jahren zogen sich in Mailand, Venedig und Genua neun Unternehmen vom italienischen Markt zurück. Sie wurden nur zum Teil durch Newcomer wie Bonhams, Pandolfini und Artcurial ersetzt.

Der Verband italienischer Kunsthändler Fima (Federazione italiana mercanti d'arte) fordert eine freie Zirkulation der Kunstwerke mit niedrigem Wert im EU-Raum. Verbandspräsident Carlo Teardo hat nun die Regierung um Hilfe gebeten. Denn laut einer kürzlich veröffentlichten Umfrage sehen 84 Prozent der Befragten in naher Zukunft einen weiteren Rückgang der Nachfrage, nur eine Minderheit (12,3 Prozent) rechnet damit, dass sich die Lage stabilisiert.

Export-Lockerung gefordert

Vor diesem Hintergrund stünde eine Lockerung der Exportregeln an, die derzeit eine Lizenz für jedes Kunstwerk vorsieht. Laut dem Kulturministerium hat sich die Anzahl der Exportlizenzen 2011 gegenüber im Vorjahr verdoppelt. Dennoch sei der italienische Kunsthandel wegen dieser rigorisen Regelung international benachteiligt, kritisiert Giovanni Pratesi, Präsident des Verbandes der Antiquitätenhändler. Dazu müsste man "bis zu 40 Tage und mehr auf die Exportgenehmigung warten". Pratesi fordert eine Anpassung an europäische Gepflogenheiten: In Frankreich, England oder Österreich bedürfen etwa nur Gemälde über einem Wert von 150.000 Euro einer Ausfuhrbewilligung, alles darunter könne frei zirkulieren. "Infolge der Krise am Inlandsmarkt sind wir ohnedies mehr und mehr auf Geschäfte mit dem Ausland angewiesen", argumentiert Pratesi. (Thesy Kness-Bastaroli, Album, DER STANDARD, 26./27./28.5.2012)

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