Die Hexe aus dem Süden

22. Mai 2012, 14:32
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Österreichs Finanzchefin Maria Fekter bleibt kraft der Krise, ihres Amtes und ihrer Wortgewalt auch international kein Mauerblümchen

"The world in Vorarlberg is too small": Ex-Vizekanzler Hubert Gorbachs Botschaft an den ehemaligen britischen Finanzminister Alistair Darling wurde legendär. Der gewünschte Sprung in die große weite Welt blieb Gorbach versagt, seine Worte verhallten dennoch nicht ungehört. Bis heute werden sie gern und oft zitiert.

Die amtierende heimische Finanzministerin hat es da schon leichter. Am internationalen Parkett ist sie praktisch daheim, kraft der Krise, kraft ihres Amtes und kraft ihrer Wortgewalt. "Shortly, without von delay" (die Finanzministerin, nach einer EU-Krisensitzung zur Schuldenkrise, 13. Juli 2011 - hier geht es zum Video) wollte sie das Euro-Schulden-Desaster lösen. Erfolg war der ÖVP-Politikerin nur in Ansätzen beschieden. Die Krise wuchs sich aus, Fekters Aussage schaffte es aber immerhin zum heimischen Spruch des Jahres 2011.

Doch auch international bleibt Maria Fekter kein Mauerblümchen. Ganz im Gegenteil. "Hexe aus dem Süden" titelt die "Süddeutsche Zeitung" jüngst ein Porträt und beruft sich dabei auf Kollegen aus Ländern nördlich der Alpen als "Titelspender". Der Tenor: Vorlaut sei Fekter und renitent. Nicht einmal die Regeln des Euro-Klubs seien ihr vertraut. "Unlängst brachte die Österreicherin fertig, was niemandem zuvor gelang: Sie sprengte eine Sitzung der 17 Finanzminister des Euro-Klubs - wegen vorlauten Redens."

Österreichs Finanzchefin hatte sich bekanntlich ungefragt und unautorisiert als Sprachrohr von Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker berufen gefühlt und verkündete an seiner statt die Höhe der finanziellen Firewall für die Währungsgemeinschaft. In den "Oberösterreichischen Nachrichten" mit dem Titel konfrontiert, zeigt sich die gelegentlich als potenzielle Kanzlerkandidatin ins Spiel gebrachte Politikerin unbeirrt: "Meine Tochter hat als Kind enthusiastisch Bibi Blocksberg gelesen. Es gibt auch sehr charmante Hexen." Auch die Antwort auf die Frage, warum sie in deutschen Zeitungen zuletzt viel Aufmerksamkeit - meist in wenig schmeichelhaftem Zusammenhang - einheimste, liegt für Maria Fekter auf der Hand: "Ich spreche eben nicht in rosaroten Wölkchen." Dunkle Wolken am Horizont der Diplomatie sieht die 56-Jährige also nicht. Wie auch, könnte der Schluss doch lauten: "The world out of Austria ist too big." (rb, derStandard.at, 22.5.2012)

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    Maria Fekter und Bibi Blocksberg - gut bekannt und beide charmant?

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