"Ganze Saison ist ein Highlight"

18. Mai 2012, 15:50
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Admira nach Platz drei und Euro­pa­cup-Einzug im Freudentaumel - Viele Fragen bei Südstädtern offen

Salzburg - Die Admira hat den Weg zurück zu einem absoluten Topclub in Österreichs Fußball-Bundesliga gleich im Jahr eins nach dem Aufstieg geschafft. Die Niederösterreicher holten sich Rang drei und dürfen sich als Belohnung zum ersten Mal nach 18 Jahren wieder auf internationaler Ebene präsentieren. "Man sieht, was für eine Super-Truppe wir sind. Alle im Verein sind für diesen Erfolg verantwortlich", sagte Abwehrspieler Gernot Plassnegger nach dem erfolgreich zu Ende gegangenen Krimi um Platz drei.

Die Niederösterreicher kassierten zwar eine 0:2-Niederlage bei Meister Salzburg, profitierten aber von der Last-Minute-Schützenhilfe von Sturm Graz. Der entthronte Titelverteidiger fügte der Wiener Austria durch den zweiten Treffer von Darko Bodul (86.) sowie einem Tor von Martin Ehrenreich (93.) noch eine 1:3-Niederlage zu. "Das war eine Achterbahnfahrt", betonte Coach Dietmar Kühbauer. Bei wem er sich zu bedanken hatte, wusste der Admira-Trainer genau. "Sturm hat trotz einer verkorksten Saison Moral gezeigt, ich werde ihnen ein Fass Bier schicken", verriet Kühbauer. Ein Punkt mehr entschied am Ende zugunsten der Admiraner.

"So eine Saison nicht zugetraut"

Kühbauer hat großen Anteil am Erfolg der Südstädter. In seiner ersten vollen Saison gelang der Aufstieg in die höchste Spielklasse, nun wurde gleich im ersten Anlauf der Sprung in die zweite Qualifikationsrunde zur Europa League, die am 19. und 26. Juli gespielt wird, geschafft. Augenscheinlich war die offensive Spielweise der Niederösterreicher, die hinter Salzburg die zweitmeisten Tore erzielten. Dass sie dabei die zweitmeisten Gegentreffer nach Absteiger Kapfenberg kassierten, hatte kaum eine negative Auswirkung.

Der 41-Jährige selbst war von der Performance seiner Truppe überrascht. "Ich hätte der Mannschaft so eine Saison nicht zugetraut. Vor dem Niveau, dass die Mannschaft erreicht hat, ziehe ich den Hut", resümierte der Admira-Coach. Eine zumeist geschlossen starke Mannschaftsleistung war einer der Trümpfe der Südstädter, die auch eine Verletzungsmisere im Frühjahr nicht stoppen konnte. Dass die Niederösterreicher eine eingeschworene Gemeinschaft sind, zeigt auch eine gemeinsame Urlaubsreise nach Mallorca, die von einigen Kickern bereits am (heutigen) Freitag angetreten wurde.

"Ein hervorragendes Kollektiv"

Zuvor wurde noch in Salzburg auf dem Platz sowie u.a. in der Kabine ausgiebig gefeiert. "Es ist überragend, was wir als Aufsteiger in dieser Saison gezeigt haben", sagte Innenverteidiger Richard Windbichler. Dem stimmte auch Plassnegger zu. "Die ganze Saison ist ein Highlight, es ist einfach unglaublich", sagte der ehemalige Griechenland-Legionär. Und Goalie Patrick Tischler, der von Kühbauer das volle Vertrauen erhielt und rechtfertigte, ergänzte: "Es ist fantastisch. Wir haben ein hervorragendes Kollektiv und sind ein Super-Team."

Lange können sich die Admira-Kicker aber nicht freuen, startet doch bereits am 11. Juni wieder die Vorbereitung auf die nächste Saison. Und die wird wohl sicher um einiges schwieriger für die Kühbauer-Schützlinge. "Ich weiß genau, wie es im Fußballerleben geht. Sollte es nächstes Jahr nicht laufen, bist du schnell wieder der Deschek", ist sich der Admira-Coach bewusst.

Hauptsponsor springt ab

Bei den Niederösterreichern gibt es jedenfalls noch zahlreiche offene Fragen. Präsident Richard Trenkwalder hat die Mehrheitsanteile an seinem Unternehmen an die deutsche "Droege Group" verkauft und wird daher nicht mehr als Hauptsponsor fungieren. Ob die Trenkwalder-Arena ihren Namen behält ist ebenfalls ungeklärt. Zudem steht eine Rückkehr zum Vereinsnamen Admira Wacker im Raum. Aus sportlicher Sicht scheint der Großteil der Mannschaft gehalten werden zu können, nur Christopher Dibon (Salzburg) kehrt dem Verein nach Auslaufen seines Vertrages bis dato fix den Rücken.

Bei der Admira findet in der kommenden Woche eine Klausur statt. "Die Tendenz geht dahin, zum Namen Admira Wacker zurückzukehren", sagte Admira-Manager Alexander Friedl. Ausnahme wäre natürlich, wenn ein Sponsor wieder Interesse an der Aufnahme in den Vereinsnamen hätte. Potenzielle neue Sponsoren sind jedenfalls vorhanden. "Die Admira ist durch die Erfolge wieder interessant geworden", freute sich Friedl.

"Planen mit der aktuellen Mannschaft"

Aus sportlicher Sicht gibt es nur drei Fragezeichen. Der von Rapid ausgeliehene Stephan Palla möchte, wenn möglich, bei den Südstädtern bleiben. Zudem ist die Zukunft von Patrick Mevoungou noch offen. "Es schaut aber recht gut aus", sagte Friedl. Ungeklärt ist auch der Verbleib des Tschechen Martin Zeman, dessen Vertrag mit 31. Mai ausläuft. "Wenn es keine Einigung gibt, werden wir uns auf dieser Position nach Ersatz umsehen", meinte Friedl.

Die restlichen Kaderspieler haben gültige Verträge - so wie Patrik Jezek oder Rene Schicker, die erst vor kurzem verlängert wurden - und sollen vor allem im Hinblick auf die Europacup-Auftritte auch gehalten werden. "Wir planen mit der aktuellen Mannschaft", betonte der Admira-Manager. Als einziger Neuzugang steht bisher Peter Pöllhuber von Austria Lustenau fest.

Trotz Rang drei bleiben die Südstädter im Hinblick auf die kommende Saison bescheiden. "Unsere Zielsetzung ist wie bisher, nicht abzusteigen. Unsere Gegner sind wieder Wiener Neustadt, Mattersburg oder Wacker Innsbruck. So realistisch sind wir, die Erwartungen dürfen nicht zu groß werden." (APA, 18. Mai 2012)

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    Admiras Andreas Schrott (l.) und Gernot Plassnegger.

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