Auf Wiedersehen, Japan

17. Mai 2012, 19:59
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Startänzerin Sylvie Guillem erhält bei der Biennale di Venezia im Juni den Goldenen Löwen

Zuvor noch gastiert sie im St. Pöltner Festspielhaus.

St. Pölten - Die 1965 in Paris geborene Ausnahmeballerina Sylvie Guillem nimmt nur noch an Projekten teil, die sie wirklich interessieren oder die sie selbst initiiert - wie zum Beispiel den Abend 6000 miles away, der jetzt im Festpielhaus St. Pölten zu sehen ist.

Der Abend mit dem rätselhaft klingenden Titel ist mit den Ereignissen in Japan vom 11. März 2011 verbunden. Guillem probte gerade mit William Forsythe, als sie von der Katastrophe erfuhr. Die strikte Atomkraftgegnerin fühlt sich seit langem der japanischen Kultur verbunden. Daher widmete sie ihr dreiteiliges Programm den Opfern des Unglücks.

Bei Forsythes Rearray tanzt sie im Duett mit dem Étoile der Pariser Oper Nicolas Le Riche. Das von Mats Ek choreografierte Solo Bye (Originaltitel im Schwedischen: "Ajö") bildet den Abschluss nach einem Mittelteil, den sie sich aus dem OEuvre von Jirí Kylián ausgesucht hat, in dem sie aber nicht selbst auftritt: 27'52''.

Der Auftrag für Rearray kam von der Tänzerin selbst. Es ist Forsythes viertes Stück für Guillem. Herausfordernd darin sind besonders die extremen Geschwindigkeitswechsel.

In 27'52'' sagt eine Frauenstimme: "Auch ich bin nur ein Spiegelbild. Wie der Mond auf dem Wasser. Wenn Sie mich sehen und an das Gute im Menschen glauben, erkennen Sie sich selbst." Der Tanz wird auf die Verhältnisse von Menschen untereinander gespiegelt. Und in Mats Eks mit theatralen Mitteln gebautem Bye tanzt Sylvie Guillem als "Frau von nebenan" zu Beethoven. Ihre Heldin trennt sich von den Lasten der Vergangenheit. Beim Tanzfestival der Biennale di Venezia wird Sylvie Guillem im Juni übrigens mit einem Goldenen Löwen geehrt.  (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 18.5.2012)

  • Sylvie Guillem mit dem Solo "Bye", choreografiert von Mats Ek, heute und morgen in St. Pölten. Foto: Leslie-Spinks

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