Betriebsrat für Trennung von Gelehrtengesellschaft

15. Mai 2012, 15:15
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"Notwendige Voraussetzung für den Fortbestand der Forschungsträgerorganisation"

Wien - Die Turbulenzen um die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) nach dem Austritt prominenter Mitglieder setzen sich fort: Nun spricht sich der Betriebsrat der ÖAW für eine Trennung von Gelehrtengesellschaft und Forschungsträgerorganisation aus. Dies sei angesichts der jüngsten Entwicklungen eine notwendige Voraussetzung für den Fortbestand der Forschungsträgerorganisation. "Von niemandem wird man Verständnis für die Finanzierung einer ÖAW, wie sie sich gegenwärtig medial darstellt, erwarten dürfen", heißt es in einer Aussendung des Betriebsrats.

Der Betriebsrat weist auf die spezielle Organisation der ÖAW hin, die einerseits eine Gelehrtengesellschaft mit 90 "wirklichen" Mitgliedern ist, andererseits aber auch die größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung des Landes mit rund 1.300 Mitarbeitern und international renommierten Instituten. Zwischen der "altertümlichen und - gemessen an der Umsetzung ihrer Ansprüche - weitgehend obsoleten Gelehrtengesellschaft" einerseits und der "höchst leistungsfähigen Forschungsträgerorganisation" andererseits müsse unterschieden werden, fordert die Arbeitnehmervertretung.

Betriebsrat sieht "existenzielle Krise"

In der "höchst prekären und asymmetrischen Wechselseitigkeit von Gelehrtengesellschaft und Forschungsträgerorganisation" sieht der Betriebsrat einen entscheidenden Grund für die "existenzielle Krise" der ÖAW. Die Mitarbeiter hätten einen berechtigten Anspruch auf ein professionell verwaltetes und von ihnen mitbestimmtes Unternehmen, das die Ansprüche und Notwendigkeiten eines zeitgemäßen Wissenschaftsbetriebs wahrnehme und diesen gerecht werde. "Bleiben die wechselseitigen Strukturen aber unverändert, ist mittelfristig nicht zu vermeiden, dass die von einer schweren und existenziellen Krise dauerhaft geschüttelte Gelehrtengesellschaft auch die Forschungsträgerorganisation mit sich in den Abgrund reißt", betont der Betriebsrat.

Mit den unabhängig voneinander erfolgten Austritten der Molekularbiologin Renee Schroeder und des Ökonomen Gunther Tichy hat die ÖAW in den vergangenen Wochen zwei renommierte Wissenschafter als Mitglied verloren. Schroeder war aus "Solidarität mit jenen exzellenten WissenschaftlerInnen, denen es wegen ihres kulturellen Hintergrundes oder ihrer politischen Einstellung nicht möglich ist, Mitglied dieser Gesellschaft zu werden" zurückgetreten. Tichy hat seinen Schritt mit der "Politik des Präsidiums in den letzten Jahren" begründet, "die die Akademie in den Augen der staatlichen Behörden wie der Öffentlichkeit schwer geschädigt hat". In Folge wurde Kritik von der aus Nachwuchswissenschaftern gebildeten "Jungen Kurie" der ÖAW und von Akademie-Mitarbeitern laut. (APA, 15.5.2012)

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