AUA neu dürfte Dauerbaustelle sein

10. Mai 2012, 12:49
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Die Airline jammert über streitbedingte hohe Anwaltskosten, will den Betriebsübergang aber zu jedem Preis durchdrücken

Der Übertrag des Flugbetriebs auf die Tyrolean könnte für die Lufthansa-Tochter AUA das werden, was der Terminalneubau "Skylink" für den Flughafen Wien war. Ein PR- und Kostendesaster. Der AUA-Betriebsrat will das Unternehmen mit Klagen eingedecken, um den Umstieg zu bremsen und Geld für die Belegschaft zu sichern. Der AUA-Vorstand wiederum lehnte ein weiteres Angebot der Belegschaftsvertreter letzte Woche ab. Nun jammern AUA-Manager darüber, dass an dem Ganzen nur die Anwäle finanziell profitieren würden. Quo vadis AUA?

Für Lufthansa- und AUA-Führung ist der Übergang des Flugbetriebs auf die billiger operierende Tyrolean seit letzter Woche unumkehrbar. Der Point of no return sei da, egal ob und wie der Betriebsrat nun zum Sparpaket abstimmen lässt, heißt es. Da eine ursprünglich gemeinsam mit dem Betriebsrat ausgehandelte Verhandlungslösung von der Belegschaft nicht angenommen worden wäre, besserte letzte Woche der Betriebsrat eigenhändig nach. Das aber hat der Vorstand nicht akzeptiert, sein Argument: Die Abschlagszahlungen stiegen um weitere 60 Millionen Euro, also ein Aufschlag um gut die Hälfte auf die davor paktierte Abschlagszahlung von knapp 120 Millionen Euro.

Mit der Abschlagszahlung von 120 Millionen Euro - geboten waren Kapitänen im Schnitt 320.000 Euro und 190.000 Euro für Copiloten - wären Pensionsprivilegien, teure Überstundenregelungen und automatische Jahresvorrückungen "abgekauft" worden. Dafür würden die Piloten zukünftig weitaus billiger arbeiten: Die Bezüge-Einbußen werden auf bis zu 30 Prozent geschätzt.

AUA will Abgänge mit Konzernpiloten kompensieren

Wählten nun zu viele AUA-Piloten auf einmal den Austritt, würden sie durch bisher teilzeitfliegende Copiloten von Tyrolean und Konzernkollegen (Swiss, Lufthansa) ersetzt. Zudem überlegt die AUA für den Fall sogar schon, dutzende neue, billigere Piloten einzustellen. Sollten aus den bisher 43 AUA-Piloten, die bereits mit Höchstabfertigungen kündigten, 110 oder 120 werden, hält dies der Konzern für problemlos verkraftbar. Selbst den Abgang aller 150 AUA-Kapitäne nach dem alten und teuersten Tarifschema (AUA KV-alt) hielte der Betrieb aus, wird versichert. Das würde bei Abfertigungen bis zu 39 Monatsgehältern (bis zu 500.000 Euro) an die 80 Millionen Euro kosten.

Es sind auch Tyrolean-Bordleute vom Sparpaket betroffen: Auch für sie gibt es keine jährlichen automatischen Vorrückungen mehr. 

Manager jammern über Anwaltskosten

Alles in allem würden, so bedauern AUA-Manager, die wahren Gewinner der jetzigen radikalen Lösung zur Kürzung der Personalkosten bei Austrian Airlines wohl die Anwälte sein. Die verdienen am Betriebsübergang mehr als in einer Verhandlungslösung. Die Belegschaft hat ja angedroht, die AUA mit Klagen einzudecken, die Airline hat sich im Voraus mit Rechtsgutachten eingedeckt.

Der haarigste Teil wird nach AUA-Einschätzung aber trotzdem die Angleichung der unterschiedlichen Kulturen: Schon jetzt klaffen Gräben zwischen den Belegschaften von AUA und Tyrolean. Der Vorstand unter Jaan Albrecht und seine Berater trösten sich, dass alles eine Frage der Zeit sein wird. Läuft eine Zusammenlegung gut, sollte der Kulturschock in fünf Jahren verdaut sein.

Pensionisten sollen Geld locker machen

Auf Geldsuche ist die Airline übrigens auch bei den Unternehmenspensionisten. Ein Verzicht derselben auf Teile ihrer Firmenpension könnte weitere knapp 30 Millionen bringen. Dafür laufen erste schwierige Sondierungen mit den betroffenen Pensionskassenvertretern. (APA/red, derStandard.at, 10.5.2012)

Wissen Die AUA beförderte im April knapp eine Million Passagiere.

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