Aufforderung zum Handeln

7. Mai 2012, 17:08
1 Posting

Die Ausstellung "Ändere dich, Situation" in Schwaz hinterfragt das Verhältnis von Arbeit, Kunst, Medien und Kreativität

Schwaz - Monochrome Leinwände hängen über einer Wäscheleine. Die Leine ist in einer Holzkonstruktion eingespannt. Ein kleiner Stein hängt wie ein Lot am äußersten Ende - die Konstruktion könnte jederzeit kippen. Diese Installation von Joe Scanlan steht für jenen prekären Zustand, dem nicht nur die Künste, sondern auch ihre Produzenten und Produzentinnen ausgesetzt sind. 15 Künstlerpositionen setzen sich in Ändere dich, Situation! in der Stadtgalerie Schwaz mit der künstlerischen Produktion vor dem Hintergrund prekärer Produktionsverhältnisse auseinander.

Den von René Pollesch entliehenen Titel greift die junge Künstlerin Verena Dengler auf. Ihre Installation ist zentral für das Ausstellungsthema: In "Führt ja wieder die 40-Stunden-Woche ein!" (2012) stehen gerahmte, abstrakte Stickereien auf industriell gefertigten Kapitellen. Seidenhalstücher mit Matisse-Motiven sind zu Skulpturen arrangiert. Das flexible, unternehmerische Selbst lässt Dengler an seiner eigenen "Bastel-Biografie" auflaufen. "Arbeitslose werden Künstler" ist eine Grafik und Gerda Matejka-Felden gewidmet, die in den 1930er- Jahren Zeichnen und Malen für Arbeitslose einführte. Sie kämpfte gegen die Ablehnung der "Arbeitermaler" durch "Berufskünstler". Gegenüber schimmern die Worte "Fuck" und "Sculpture" aus monochromen Gemälden hervor: Heimo Zobernig hinterfragt in Ohne Titel die Kategorisierung der Künste, aber auch ihre Hierarchien. "Wir müssen unsere eigenen Bedingungen zur Disposition stellen", sagt Kuratorin Eva-Maria Stadler, meint, dass wir konstruktiv neue Arbeitsbedingungen fordern müssen. Diesen Moment spiegelt Rens Veltman in den Produktionsraum Galerie, wenn er Wände mit Nähten aus Arbeitsmotiven (We, 2012) überzieht. (Tereza Kotyk, DER STANDARD, 8.5.2012)

20. 4. - 9. 6. 2012

  • Interessante Kunstpositionen, die sich mit prekären Produktionsverhältnissen befassen.
    foto: stadtgalerie

    Interessante Kunstpositionen, die sich mit prekären Produktionsverhältnissen befassen.

Share if you care.