Rolf Hochhuth trat aus Akademie der Künste aus

6. Mai 2012, 17:50
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Der Grund für seinen Austritt: Einseitige Diskussion über das israelkritische Gedicht von Günter Grass

Berlin - Der Dramatiker Rolf Hochhuth hat seinen Austritt aus der Berliner Akademie der Künste erläutert. Der 81-Jährige teilte in einer Erklärung mit, er sei aufgrund einer einseitig verlaufenen Diskussion über das umstrittene israelkritische Gedicht von Günter Grass (84) ausgetreten. Sein Text trage die Überschrift "Ich weigere mich, zwischen Antisemiten zu sitzen", sagte Hochhuth am Sonntag.

Hochhuth hatte nach eigenen Angaben verhindern wollen, dass die Diskussion in der Vollversammlung der Akademie überhaupt stattfindet. Er habe befürchtet, "diese Diskussion verlaufe einseitig zugunsten des Irans und der Palästinenser auf Kosten Israels", heißt es in der Erklärung.

"Die Türe schlagend" hinaus

Er habe unter anderem infrage gestellt, dass die Akademie den Text von Grass überhaupt diskutiere. Einen Text, so schreibt Hochhuth, den "sehr gern - der 1946 in Nürnberg gehängte - Julius Streicher in seinem 'Stürmer' gedruckt hätte". Er sei aber bei seinen Fragen ständig unterbrochen worden. Er sei daher "die Türe schlagend" hinausgegangen.

Grass erntete für sein Israel-Gedicht scharfe Kritik aus dem In- und Ausland - auch von Schriftstellerkollegen. Israel erteilte ihm Einreiseverbot. Hochhuth, der das Drama "Der Stellvertreter" über den Vatikan in der NS-Zeit verfasst hat, hatte Grass deshalb bereits kürzlich angegriffen: "Du bist geblieben, was Du freiwillig geworden bist: der SS-Mann, der das 60 Jahre verschwiegen hat, aber den Bundeskanzler Kohl anpöbelte, weil der Hand in Hand mit einem amerikanischen Präsidenten einen Soldatenfriedhof besuchte, auf dem auch 40 SS-Gefallene liegen", schrieb er in einem offenen Brief. (APA, 7.5.2012)

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