"Selbst in der Disco gibt es Politik"

Interview27. April 2012, 18:54
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"Anti-Niko-Pelinka" und "a bisserl prolo" wird Christoph Peschek, mit 28 jüngster roter Gemeinderat in Wien, genannt - Im Interview sagt er warum ihm das "wurscht" ist und wie er beim Parteitag der SP Wien abstimmen wird

STANDARD: Beim Landesparteitag der Wiener SP am Samstag gibt es mehr als 100 Anträge, bei sechs wird den Delegierten von der Antragskommission Ablehnung empfohlen. Alle diese Anträge stammen entweder von der Sozialistischen Jugend, von der Jungen Generation oder vom VSStÖ. Finden die Jungen kein Gehör in der Wiener SP?

Peschek: Die Jungen finden sehr wohl Gehör, es gibt ja viele Anträge, die angenommen werden. Es obliegt den Jugendorganisationen, am Parteitag kraft der Argumente eine Mehrheit zu erkämpfen.

STANDARD: Die Junge Generation beantragt, die Antragskommission und ihre Empfehlungen überhaupt abzuschaffen. Halten Sie das für einen guten Vorschlag?

Peschek: Es gibt eine Reihe an Überlegungen zu mehr Partizipation innerhalb der SP. Per se ist die Empfehlung nicht negativ, es ist aber wichtig, dass sich alle Delegierten mit den Anträgen auseinandersetzen.

STANDARD: Werden Sie sich an die Empfehlung halten, den Antrag abzulehnen?

Peschek: Ich warte die Argumente ab. Aber es gibt zum Beispiel den Antrag auf Errichtung eines sechsten Zentralberufsschulgebäudes, wo ich gegen die Empfehlung der Kommission (Anm.: Zuweisung) stimmen werde.

STANDARD: Haben Sie vergangenes Jahr für die Abschaffung des kleinen Glücksspiels gestimmt?

Peschek: Ich fand die Debatte wichtig, bin mir aber nicht sicher, ob ein Verbot dazu führt, dass das Glücksspiel völlig weg ist, oder ob es nicht in die Illegalität geht.

STANDARD: Sie haben also nicht dafür gestimmt?

Peschek: Ich habe für eine Zuweisung an eine Arbeitsgruppe gestimmt.

STANDARD: Hat es Sie gewundert, dass sich die Parteispitze relativ lang geziert hat, den Parteitagsbeschluss umzusetzen?

Peschek: So habe ich das gar nicht wahrgenommen. Es hat in allen Gremien noch sehr intensive Diskussionen gegeben. Ein Parteitagsbeschluss ist wesentlich, das ist das höchste Gremium unserer Bewegung.

STANDARD: In einem Porträt im "Kurier" stand über Sie, man könnte Sie für einen FPÖ-Wähler halten - "jung, a bisserl prolo und unpolitisch". Gleichzeitig bezeichnet man Sie als den Anti-Niko-Pelinka. Wie glücklich sind Sie über solche Zuschreibungen?

Peschek: Ich definiere mich nicht darüber, gegen etwas zu sein. Ich versuche, das Themenfeld der Lehrlinge und jungen Arbeitnehmer zu forcieren. Wenn meine politische Funktion dazu dient, hier Verbesserungen zustande zu bringen, dann sind mir allfällige mediale Bezeichnungen wurscht.

STANDARD: Schickt man Sie gezielt dort hin, wo Heinz-Christian Strache auch hingeht?

Peschek: Ich bin genau so in Diskotheken wie in Lehrwerkstätten und Berufsschulen. Ich versuche in allen Lebensbereichen Kontakt aufzunehmen. Mich auf einen Disco-Boy zu reduzieren wäre ein bisschen zu wenig.

STANDARD: Wie kommt man denn an als Politiker im Praterdome?

Peschek: Mein Vorteil ist, dass ich aufgrund meiner Gewerkschaftsfunktion ein hohes Ausmaß an Authentizität habe. Da merkt man, das ist keine Show, da ist Substanz dahinter. Vielen geht das tagespolitische Geplänkel auf die Nerven, aber die grundlegenden Fragen, wohin soll sich die Gesellschaft bewegen, damit wollen sich viele auseinanderzusetzen.

STANDARD: Wie verwickelt man Junge in ein Gespräch über Politik?

Peschek: Selbst in der Disco gibt es Politik. Ich denke nur an die Frage der Sperrstunde, den Umgang mit Alkohol, aber auch an die Balance von Arbeitszeit und Freizeit.

STANDARD: Um das Image einiger roter Jungpolitiker ist es ja nicht besonders gut bestellt ...

Peschek: Es gibt viele gute Funktionäre, da gibt es sehr wohl eine Vielfalt. Ich sehe nicht diesen jungen Paraderoten, dem nur die Karriere wichtig ist. Ab dem Zeitpunkt, wo jemand eine gewisse Prominenz hat, fokussiert man sich in der Öffentlichkeit darauf. Aber es geht auch darum, sichtbar zu machen, wie viele junge Querdenker es gibt. Ich bin sicher niemand, der einfach alles nachbetet.

STANDARD: Wie kritisch darf man denn sein, wenn man etwas werden will in der Partei?

Peschek: Sehr. Nach der vergangenen Nationalratswahl habe ich mich im Wiener Ausschuss zu Wort gemeldet und hab gesagt, mich wundert das schreckliche Ergebnis bei den Jugendlichen nicht, wenn wir ausschließlich das Thema Studiengebühren haben und das komplette Segment der jungen Arbeitnehmer nicht ansprechen. Bei der Wiener Wahl hatten wir dann 46 Prozent bei den Jungen, die FPÖ 20 Prozent.

STANDARD: Beim vergangenen Parteitag wurde eine Jugendquote gefordert, die Idee hat die Parteispitze fallengelassen. Enttäuscht Sie das?

Peschek: Der Grund der Ablehnung ist, dass die Quote ein Instrument der Frauenbewegung bleiben soll. Das heißt nicht, dass es für die Jungen keine Verbesserung geben soll. Wichtig ist die Frage von Visionen und Zielen, das Einbringen von jungen Menschen. Dann ergibt sich die politische Funktion ohnehin. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 28./29.4.2012)

CHRISTOPH PESCHEK ging in Wien-Donaustadt in die AHS. Seit 2001 ist er Jugendsekretär der Gewerkschaft der Privatangestellten, seit 2010 Gemeinderat und Lehrlingssprecher der SP.

  • Die Jugendorganisationen müssen beim Landesparteitag der Wiener SP " 
kraft der Argumente eine Mehrheit erkämpfen", meint Christoph Peschek. 
Der Parteitag sei schließlich "das höchste Gremium unserer Bewegung".
    foto: standard/newald

    Die Jugendorganisationen müssen beim Landesparteitag der Wiener SP " kraft der Argumente eine Mehrheit erkämpfen", meint Christoph Peschek. Der Parteitag sei schließlich "das höchste Gremium unserer Bewegung".

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