Die Kunst des Grüßens

Einserkastl27. April 2012, 18:31
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Das "Hallo is ned g'sturbn" und auch das "Grüß Gott" erlebt eine Renaissance in Österreich

"Der Hallo is scho g'sturbn", lautete einst die wienerische Grant-Antwort, wenn wer mit "Hallo" angeredet wurde. Inzwischen hat die Anrede einen beispiellosen Siegeszug hingelegt: Laut einer Umfrage des Spectra-Instituts wird die Formel von 74 Prozent verwendet (1999 erst von 51 Prozent). Eine Erklärung wäre: "Hallo" ist irgendwie ideologisch neutral.

Allerdings: Die Meinungsforscher erhoben, dass "Grüß Gott" derzeit "eine Renaissance erlebt": 64 Prozent verwenden es. Nach persönlichen Beobachtungen wird diese Formel mit einer kräftigen, einer gewissen weltanschaulichen Anspruch bekräftigenden Betonung auf dem "Gott!" gerne von Trägern trachtiger Anzüge und genagelter Maßschuhe vorgetragen. Weiters scheint die Lebenswelt zu zeigen, dass auch männliche Personen mit muslimischem Migrantenhintergrund im Kontakt mit Deutschsprachigen gerne das "Grüß Gott" verwenden. Untereinander dürfte "Merhaba" (arabisch-osmanisch für "Willkommen") noch stark in Verwendung sein, aber danach hat Spectra nicht gefragt. Das ideologische Gegenstück von " Grüß Gott", das unter Funktionären der Wiener SPÖ früher übliche "Grüß' Sie!", scheint hingegen seltener geworden sein.

Nicht gefragt hat Spectra nach der österreichischen Grußformel schlechthin, die seinerzeit angeblich erfunden wurde, um nicht "Heil Hitler" sagen zu müssen: Was wurde eigentlich aus "Mahlzeit!"? (Hans Rauscher, DER STANDARD, 28./29.4.2012)

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