UNO wegen Konflikts um Ölfeld alarmiert

25. April 2012, 17:22
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Vereinte Nationen, Afrikanische Union, USA und China fordern das sofortiges Ende der Kämpfe im Grenzkonflikt zwischen Sudan und Südsudan

New York/Peking - Zwar hat der Südsudan seine Truppen aus dem von ihm beanspruchten Ölfeld Heglig im Sudan wieder abgezogen, der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen bleibt dennoch alarmiert und rechnet mit einer Verschärfung der Spannungen. In einer Erklärung des UN-Gremiums hieß es am Dienstag (Ortszeit) in New York, der Vorstoß des Südsudan auf Heglig und die im Gegenzug erfolgten Luftangriffe des Sudan auf den Südsudan seien "völlig inakzeptabel".

Die Besetzung des an der Grenze gelegenen Ölfelds durch südsudanesische Truppen vor zwei Wochen habe eine neue Qualität der Auseinandersetzung dargestellt, hieß es in der Sitzung.

Am Mittwoch schaltete sich schließlich auch die Afrikanische Union (AU) vermittelnd in den Streit ein und forderte beide Staaten auf, innerhalb von zwei Wochen an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Sollten sie dabei zu keiner Übereinkunft kommen, werde die AU bindende Vorgaben zur Beilegung des Konflikts machen, teilte die panafrikanische Staatenorganisation in Addis Abeba mit.

Der Präsident des ölreichen Südsudan, Salva Kiir, warf dem Sudan vor, einen Krieg gegen sein Land zu führen. Khartum habe Juba den "Krieg erklärt", sagte Kiir bei einem Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao am Dienstag in Peking. Hu rief beide Parteien indes zur Mäßigung auf - dies sei im Interesse der Völker beider Länder und der gesamten Region.

China ist in beiden Ländern im Ölgeschäft engagiert, versucht aber, sich aus dem Konflikt herauszuhalten. Durch den Streit ist mittlerweile fast die gesamte Ölproduktion der beiden Länder zum Stillstand gekommen.

US-Präsident Barack Obama übte scharfe Kritik an der Regierung in Khartum. "Wir verurteilen aufs Schärfste den militärischen Übergriff des Sudan im Südsudan", ließ er über den Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, ausrichten. Die Bombardierung müsse sofort ein Ende finden.

Streit um Grenzziehung

Der Konflikt zwischen dem Sudan und dem Südsudan hatte sich in den vergangenen Wochen zugespitzt: Seit vergangenem Juli ist immer noch strittig, zu welchem der beiden Staaten die ölreichen Regionen gehören.

Anfang April hatte der Südsudan schließlich ein wichtiges Ölfeld besetzt, das nach international mehrheitlicher Auffassung als Territorium des Nordens, also des Staates Sudan, gilt. Kiir kommandierte zuletzt nach internationalem Druck zwar seine Soldaten wieder südlich der Grenze, beansprucht das Gebiet aber weiter.

In den vergangenen Tagen hatten Kampfflugzeuge der sudanesischen Armee die Region südlich der Grenze bombardiert, dabei soll mindestens ein Mensch getötet worden sein.

Der Südsudan hat sich im Juli 2011 mit Billigung des sudanesischen Präsidenten Omar Hassan al-Bashir abgespalten und einen eigenen Staat gebildet. Grundlage dafür ist ein Friedensvertrag von 2005. Seitdem eskalieren allerdings die Spannungen zwischen den beiden Staaten. Sie werden nicht nur von Gebietsstreitigkeiten angefacht, sondern auch von ethnischen Vorurteilen und dem Streit über Transitgebühren für die Öllieferungen des Südsudan durch den Norden. (red, DER STANDARD, 26.4.2012)

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    Seit Wochen werden entlang der Grenze zum Sudan, hier bei Panakuach, zahlreiche Truppenbewegungen der südsudanesischen Armee registriert.

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