Gekaufte Beiträge, kaum kritische Berichte

23. April 2012, 18:34
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Medienwissenschaftler Trappel analysierte "Qualität im Privatrundfunk": Private tragen zur Vielfalt bei - doch die prekäre Lage kleiner Sender lässt sie Werbung und Programm mischen

Wien - Seit 2010 fördert die Rundfunkregulierung RTR private Programme, heuer mit 12,5 Millionen Euro für kommerzielle und 2,5 für nichtkommerzielle Stationen. Erstmals ließ sie nun ein Forscherteam um Josef Trappel Qualität kommerzieller Radios und TV-Sender bewerten.

"Was war mei Leistung?", fasst Trappel den Untersuchungsgegenstand zusammen und brachte damit gleich Erich Holfeld ("Antenne Österreich") auf: "Unsere Leistung ist, dass wir existieren", das sei schwierig genug.

Öffentlicher Mehrwert

Förderung freilich gibt es für Inhalte, die öffentlichen Mehrwert bieten. Gefördert werden etwa Radionachrichten, Morgenshows, ein Europamagazin in Radio Osttirol, "Highlights" auf ATV, "Pro & Contra" auf Puls 4, "Talk im Hangar-7" auf Servus TV und "Strudengauer Regionalfernsehen" in Grein TV.

Leistungen der Privaten sieht Trappels Studie vor allem in der publizistischen Vielfalt, zu der insbesondere Diskussionsformate beitrügen. Vor allem die großen Stationen könnten sich professionellen Journalismus am ehesten leisten. Kleinere Sender trügen zur regionalen Vielfalt bei. Die Studie vermisst kritische, kontroverse Themen und Berichte.

Keine Trennung von Programm und Werbung

Als "größtes Problem" bei kleineren TV-Stationen identifiziert Trappel, "dass kein Wille, aber auch keine Kenntnis über die Vorschriften zur ordnungsgemäßen Trennung von Programm und Werbung vorhanden ist".

Heißt das, es gebe Privatsender, die sich nicht ans Gesetz halten wollten, fragte dazu Konrad Mitschka aus der ORF-Stabsstelle zum Nachweis dessen Mehrwerts. Kronehit-Chef Ernst Swoboda: "Beim ORF ist das Wissen da, und trotzdem passiert oft anderes." "Tägliche Verstöße im öffentlich-rechtlichen Rundfunk", ergänzt Wolfgang Struber (Arabella).

Swoboda findet Qualität im Studientitel irreführend: Privatradio sei vor allem Unterhaltung, die Studie fokussiere aber auf publizistische Inhalte. Klaus Schweighofer, Präsident der Privatsender, attestiert ihr etwa daher "erfrischende Uninformiertheit".

Der Senderverband sah denn doch in der Studie "Programmqualität privater Rundfunksender bestätigt". Ihre wirtschaftliche Lage erfordere aber höhere Förderung. 2013 sind 15 Millionen Euro für Kommerzielle geplant. (fid, DER STANDARD, 24.4.2012)

foto: sender

Gefördert: "Pro & Contra" (Puls 4), ...

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... "ATV Reportage" (Wiener Gürtel) ...

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sowie Ioan Holender auf Servus TV.

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Im Lokal-TV kritisiert die Studie gekaufte Beiträge.

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Im Bild: Aichfeld TV.

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TV 1.

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St. Pöltens P3 TV, offenbar unterwegs zu einer Messe.

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