Musikrundschau mit Riffs und Rave

    19. April 2012, 17:50
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    Neue Alben von Ufomammut und Mittekill

    UFOMAMMUT
    Oro - Opus Primum
    (Neurot Recordings/Trost)
    Das italienische Trio besitzt ein Diplom im Fach Pink Floyd zur Zeit von deren mild-psychedelischer Meddle-Phase. Dazu gesellen sich schwere, mächtige Riffs mit tiefer gestimmter Gitarre aus der Black-Sabbath-Schule. Diese werden mit neueren Erkenntnissen aus dem Doom-Metal und atmosphärischem Brummen aus dem Dröhnland und einigen elektronischen Gimmicks kombiniert. Dazu grunzt jemand weit im Hintergrund sehr eindringlich über das Weltende, Feuer am Himmel, Wolken aus Blut und die üblichen anderen Probleme, die man als junger Mensch so hat. Wir merken schon, die Begeisterung des tanzwütigen Wiener Pratersauna-Publikums hält sich bei Ufomammut in Grenzen. Der Zielgruppe ernster, verschlossener Männer in der Erdberger Arena kommt das alles allerdings alles andere als komisch vor.

    MITTEKILL
    All But Bored, Weak And Old
    (Staatsakt/Hoanzl)
    Die Berliner Rave-Band um einen jungen Mann namens Freedarich alias Friedrich Greiling klingt so sehr nach ihrer Heimatstadt, dass einem vor lauter ausgestelltem, aufgekratztem Hipstertum ungemütlich wird. Indie-Pop-Gitarrengeschrammel trifft auf Disco-Marschier-Beats aus der Justice- und Daft-Punk-Schule. Schlechtes Schulenglisch lehrt man offensichtlich auch in Deutschland. In Muttersprache hört man dann Zeilen wie diese: "Mach die Augen zu, finde deine Ruh. Hast dein Leben lang danach gesucht. Es ist gut." Ist wahrscheinlich ironisch gemeint.

    Die Band wird demnächst groß in allen deutschen Musikzeitschriften abgefeiert werden wegen ihrer Pfiffigkeit und zeitgenössischen Relevanz. Das macht das Ganze auch nicht besser. Manche Leute sollten nach dem Nehmen drei Meter groß machender Drogen schlicht und einfach gesagt nicht in ein Tonstudio gehen, sondern einfach sitzenbleiben und weiter Drogen im Club nehmen. Drei, vier Mädchen aus dem Nachtleben werden das sicher ausreichend gut und hip und supertoll finden. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 20.4.2012)

     

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