Mit Kuchen eine Genital­beschneidung nachgestellt

19. April 2012, 15:27
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Als rassistisch kritisiert: Performance gegen Genitalverstümmelung sorgt für Empörung und Rücktritts­aufforderung an Kulturministerin

Stockholm - Eine Performance gegen die Beschneidung von Frauen (FGM) erregt in Schweden die Gemüter. Der Grund: Kulturministerin Lena Adelsohn Liljeroth hatte am Sonntag im Rahmen des World Art Day im Stockholmer Moderna Museet einen Kuchen des Künstlers Makode Aj Linde angeschnitten und so symbolisch eine Genitalbeschneidung nachgestellt.

Der Kuchen hatte die Form eines weiblichen Rumpfes, der Künstler selbst stellte den dazugehörigen Kopf für den Körper zu Verfügung, den er durch ein Loch im Tisch schob. Seine Lippen hatte er klischeehaft knallrot bemalt. Auch den Rest seines Gesichtes schminkte er in Anlehnungen an die im 19. Jahrhundert verbreitete rassistische Praxis des "Blackfacing". In einem Video erklärt er den Hintergrund seiner Arbeit, die unter anderem in der Kritik an verschiedensten Ideen von schwarzer Identität besteht.

Bei Lindes Performance sorgte vor allem die heitere Stimmung für Ärger und Empörung. Die Kulturministerin schnitt den Kuchen an den Genitalien an, das Innere des Kuchens war blutrot. Während das Messer in den Kuchen glitt, schrie der Künstler laut auf. Die Bilder, die von der Aktion entstanden, wirkten auf viele verstörend: Ein lachendes Publikum vor einer rassistischen Darstellungen eines Frauenkörpers, der auch noch - wenn auch symbolisch - verletzt wird.

Der Verband der Afroschweden bezeichnete die Installation als rassistisch und forderte den Rücktritt von Adelsohn Liljeroth. Die Ministerin äußerte daraufhin Verständnis für die Kritik des Verbands und entschuldigte sich. Die ganze Situation sei "sehr sonderbar" gewesen und sie habe vorher nicht gewusst, um welche Art von Kuchen es sich handelt. Die gesamte Situation sei "missinterpretiert" worden, sagte die Ministerin. 

Auch der Künstler selbst sprach in einem Video von einer Missinterpretation, die dadurch zustande gekommen sei, dass die Bilder außerhalb des Kontextes gesehen würden.

Infolge der Kritik musste das Museum kurz nach dem Besuch von Königin Silvia und der finnischen Präsidentengattin Jenni Haukio wegen einer Bombendrohung für mehrere Stunden geräumt werden. Ein Anrufer hatte das Museum als rassistisch bezeichnet. Die Bombendrohung erwies sich als falsch. (red, dieStandard.at, 19.4.2012)

  • Die Aktion von Makode Aj Linde brachte Lena Adelsohn Liljeroth Rücktrittsforderungen ein.
    foto: youtube

    Die Aktion von Makode Aj Linde brachte Lena Adelsohn Liljeroth Rücktrittsforderungen ein.

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