Der Stolz eines Dorfes

18. April 2012, 18:02
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Der Kärntner Volleyballverein SK Aich/Dob lebt Volleyball und Zweisprachigkeit

Aich/Dob - Einfamilienhäuser, Bauernhöfe, zwei Kirchen, Felder, Wiesen - Aich (Dob) im Bezirk Völkermarkt ist eines von vielen Dörfern im Süden Kärntens. Die knapp 170 Einwohner zählende Ortschaft hat sich jedoch durch den Sport über die Grenzen hinweg einen Namen gemacht. Beim SK Aich/Dob wird Volleyball auf Spitzenniveau gespielt. Aktuell im Finale der Austrian Volley League gegen Hypo Tirol. In der "best of seven" -Finalserie liegen die Kärntner 1:2 zurück. Am Donnerstag steigt in Innsbruck (20.15, ORF Sport Plus) Match vier.

In der Bundesliga ist Aich/Dob seit Jahren unter den besten Sechs, zweimal kamen die Kärntner unter die besten Vier der Mitteleuropäischen Liga, im vergangenen Jahr schafften sie es bis ins Europacup-Semifinale.

Kärnten und die Liebe

Der große Erfolg des kleinen Dorfes ist dem Umstand zu verdanken, dass vor 30 Jahren die Liebe den ehemaligen Nationalteamspieler Gerhard Kitzinger aus Wien nach Aich/Dob verschlagen hat. "Wir haben damals nach Aktivitäten gesucht, wollten eigentlich einen Tischtennisverein gründen" , sagt Alois Opetnik, Gründungsmitglied und Obmann. Doch statt eines Tischtennis-Trainers hatten sie in Kitzinger eben einen Volleyball-Profi als Nachbar. 1982 wurde der SK Aich/Dob gegründet, 1985 war man bereits Kärntner Meister. 1991 gelang der Aufstieg in die erste Bundesliga, die Professionalisierung schritt voran: "Wir haben zu dieser Zeit erstmals zwei Legionäre eingesetzt", sagt Martin Micheu, der 1985 als 15-Jähriger begann, beim SK Aich/Dob Volleyball zu spielen. Nach zwei Jahren übernahm er zusätzlich die Funktion des sportlichen Leiters.

Heute ist Micheu Manager des aus 15 Mannschaften bestehenden Vereins und Interimstrainer. "Es ist eine ziemliche Belastung, das alles neben dem Beruf zu tun. Andererseits können wir stolz auf uns sein. Abgesehen von den Eishockey-Klubs sind wir die einzigen in Kärnten, die auch außerhalb Österreichs erfolgreich sind. Dafür bekommen wir viel zu wenig Unterstützung", klagt Micheu.

Abhängigkeit

Für die Infrastruktur - alleine die Hallenmieten schlagen mit jährlich 30.000 Euro zu Buche - und die Nachwuchsausbildung muss der Verein selbst aufkommen, von der Gemeinde bekomme man "nur Peanuts, obwohl wir das Aushängeschild der Region sind und viele Nächtigungen bringen". Ohne die zahlreichen Sponsoren (Hauptsponsor ist die Posojilnica Bank) käme man nicht über die Runden, das Aufstellen von Geldgebern werde von Jahr zu Jahr schwieriger.

Schwierig war es auch, in der ländlichen Region adäquate Hallen zu finden. Trainiert wurde etwa in der Hauptschule im nur wenige Kilometer entfernten Bleiburg. Erst seit 2011 steht mit der Jufa-Arena in Bleiburg endlich eine Halle, die allen Anforderungen entspricht. Finanziert wurde der Drei-Millionen-Bau von Land Kärnten, der Stadtgemeinde Bleiburg, den Jufa-Gästehäusern und den Umlandgemeinden.

Durch die Grenznähe von Aich/Dob und die von Anfang an gelebte Zweisprachigkeit zieht der Verein auch Sportler aus Slowenien an: " Zurzeit haben wir fünf Spieler, die nur zehn Kilometer von Aich weg wohnen, aber eben in Slowenien", sagt Micheu. Sprachliche Probleme hätte es noch nie gegeben: "Da, wo wir herkommen, ist das Zweisprachige selbstverständlich. Es gab anfangs natürlich Leute, die das gestört hat, aber das waren nur wenige." (Jutta Kalian, DER STANDARD, 19.04.2012)

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    Nejc Pusnik, einer von fünf Slowenen bei Aich/Dob.

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