Wiener Bärenanwalt auf der Suche nach den Bären

18. April 2012, 12:37
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Demolierte Bienenstöcke wurden besichtigt - Die ARD zeigt kommendes Jahr eine Doku über den erschossenen Bären "Bruno"

Innsbruck - Im Tiroler-Schweizerischen Grenzgebiet ist am Mittwoch "Bärenanwalt" Georg Rauer vom Wiener Forschungsinstitut für Wildtierkunde eingetroffen, um nach den beiden dort vermuteten Braunbären zu suchen. Er hoffte vor allem auf Signale des Peilsenders, den der "auffällige" Bär "M 13" trägt.

Am Vormittag begutachtete Rauer die demolierten Bienenstöcke, über die sich vermutlich "M 13" hergemacht hatte. Sie befinden sich im Gemeindegebiet von Nauders und waren im freien Gelände aufgestellt. In der Nacht auf Montag hatte der aus dem Trentino stammende Bär bei Nauders die Grenze nach Nordtirol überquert. Wegen seiner Neugier und der geringeren Scheu vor Menschen wurde er als "auffällig" eingestuft.

DNA-Analyse der Haare

Im selben Gebiet hält sich der zweite, bisher völlig unauffällige und nicht markierte Bär auf. Mit "hoher Wahrscheinlichkeit" soll es sich dabei um jenen Bären handeln, der in der Nacht auf den Ostermontag auf einer Skipiste in Nauders gesichtet wurde. Er war damals von einem Pistenraupenfahrer gesehen worden und hatte einen Skidoo demoliert. Weitere Erkenntnisse sollen die Ergebnisse der DNA-Analyse von Haaren bringen, die an ein Speziallabor in Italien geschickt wurden.

Wie lange er in dem Gebiet unterwegs sein werde, sei vorerst nicht absehbar, sagte Rauer. Er wolle vor allem die Kollegen in Tirol unterstützen und mithelfen, die Situation abzuklären. Der Peilsender von "M 13" sei auch mit einem Handgerät zu orten. Darauf hoffe er, erklärte der "Bärenanwalt".

"Kein Grund zur Panik"

Der Bärenbeauftragte des Landes Tirol, Martin Janovsky, hatte am Dienstag betont, es bestehe "kein Grund zur Panik". Man dürfe allerdings nicht vergessen, dass es sich um Raubtiere handle, erklärte Janovsky. 2006 wanderte "Problembär" Bruno durch Tirol, ehe er dann in Bayern erschossen wurde. Im Mai 2009 wurde ein Tier in Osttirol nachgewiesen. Ein weiterer Bär - "Toni" - überwinterte von 2008 auf 2009 im hinteren Stubaital.  

Film über Bruno

Auf die Spuren von Bruno begibt sich Dokumentarfilmer Hannes Jaenicke. Für die ARD dreht er eine Dokumentation über das in die Schlagzeilen geratene Wildtier. Bruno war auf Weisung der bayerischen Landesregierung erschossen worden. Zuvor hatte er sich mehrfach Siedlungen genähert und einige Schafe gerissen.

"Thema des Films ist Koexistenz", sagte Jaenicke. "Ich möchte der Frage nachgehen, warum es nicht möglich ist, dass Menschen und Tiere friedlich nebeneinander leben." Der Tier- und Artenschutz stehe dabei im Mittelpunkt. Der 45 Minuten dauernde Film mit dem Titel "Brunos Brüder" werde im kommenden Jahr in der ARD zu sehen sein.

"Mir geht es um die Rückkehr bedrohter Tierarten wie Bär, Wolf und Luchs, die einst heimisch waren bei uns und denen der Weg zurück verwehrt wird", sagte Jaenicke. Bruno sei hierfür ein Beispiel. "Ziel ist es, zu sensibilisieren und ein Umdenken zu erreichen." (18.4.2012, APA)

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Gemeindegebiet von Nauders ist vermutlich ein Bär unterwegs. Ein Grund zur Panik bestehe deshalb aber nicht, informiert der "Bärenanwalt".
    foto: derstandard.at/julia schilly

    Im Gemeindegebiet von Nauders ist vermutlich ein Bär unterwegs. Ein Grund zur Panik bestehe deshalb aber nicht, informiert der "Bärenanwalt".

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