Obsorgestreit: Wenn aus Vätern Besucher werden

Leserkommentar22. April 2012, 21:05
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Wenn man Väter als Besucher abstempelt, darf man sich nicht wundern, dass sie der Elternrolle nicht gerecht werden können. Praxiseinblicke zum Thema Obsorge

Bei einem Obsorgestreit bleibt oft das Kindeswohl auf der Strecke. Deshalb möchte ich als Betroffener gerne Stellung nehmen und mehr Bewusstsein dafür schaffen, dass bei einem Obsorgestreit nicht prinzipiell immer die Väter die Schlechten sind: Es gibt Gute und Böse in unserer Gesellschaft, ganz unabhängig vom Geschlecht.

Gemeinsame Obsorge und Kindeswohl

Die Diskussion ist nicht neu. Sie war unter der früheren Justizministerin Bandion-Ortner nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in den Medien geführt und vonseiten der Koalition seither leider totgeschwiegen worden, um keine Koalitionskrise herbeizuführen, denn Frau Ministerin Heinisch-Hosek - nicht nur Frauenministerin, sondern auch für die Agenden der Gleichstellung zuständig - bekämpft die erforderlichen Änderungen massiv, obwohl die betreffenden Punkte klar der Gleichstellung widersprechen.

Bis dato versucht die Regierung die Vertreter der Betroffenen (Vereine) tunlichst nicht ins Gespräch an einen Tisch zu holen, und der eigentlich dafür am meisten zuständige Minister für Familienangelegenheiten hält sich mit dem Denken auch so weit zurück, dass noch von niemandem bemerkt wurde, dass er neben dem Wirtschaftsministerium auch diese Aufgaben zu betreuen hätte.

Betroffene haben sich hingegen schon viele Gedanken zu diesem Thema gemacht, und das Problemfeld ist mittlerweile so umfangreich, dass es in wenigen Zeilen gar nicht wirklich darzustellen ist.

Die Bedeutung der Obsorge in der Praxis

Ein Elternteil, der keine Obsorge hat, erhält auch beispielsweise keinerlei Information über Leistung und Gesundheitszustand des Kindes. Ein (neuer) Lebensgefährte der Mutter hat damit fast schon mehr Rechte als der leibliche Vater.

Aber gerade Fälle wie der des kleinen Luca machen deutlich, dass die Bedrohung für das Kind häufig auch von einem neuen Lebensgefährten ausgehen kann. (Der Fall Luca: Das 17 Monate alte Baby starb im November 2007 nach schweren sexuellen Misshandlungen durch den Lebensgefährten der Mutter.)

Kindeswohl - Kindeswert

Anders als beim Aktienkauf, bei dem in der Bank das Vier-Augen-Prinzip gilt, scheint eine weitere Bezugsperson für das Kinderwohl momentan nicht vorgesehen bzw. nicht möglich. Ganz im Gegenteil: Frau Ministerin Heinisch-Hosek will darüber nur reden, wenn es Besserstellungen anderer Art für Frauen gibt!? Da geht es dann aber nicht um das Wohl der Kinder! Kinder werden als Faustpfand benutzt, und so nennt sich die österreichische Version von Menschenhandel: Feminismus!

Warum nicht Frankreich nachmachen?

  • Definition des Kindeswohls im Gesetz (z. B.: Nach einer Trennung von Eltern darf sich möglichst wenig im Leben für Kinder ändern - die Traumatisierung durch Scheidung ist groß genug. Zum Beispiel sollten keine alleinigen Entscheidungen getroffen werden, die zum Beispiel Religion, Familiennamen, Aufenthaltsort u. Ä. betreffen)
  • Definition der Rechte und Pflichten der Eltern im Gesetz (unabhängig vom Geschlecht)

Dann könnte statt der über Jahre gehenden Streitigkeiten gleich sichtbar sein, wer nach dem Gesetz handelt oder eben nicht.

Was sind die Konsequenzen bei Zuwiderhandeln (wieder gleich ins Gesetz): Das würde Klarheit schaffen, die Verfahren drastisch verkürzen und bei konsequenter Einhaltung durch Gerichte und Exekutive dazu führen, dass Kinder nicht mehr so leicht zu Machtzwecken missbraucht werden können.

Warum sollte etwas geändert werden?

Vorweg: Mir ist klar, dass es kein einziges Gesetz gibt, das nicht manchmal missbraucht wird, und Strafen sind deshalb auch sozusagen ein Teil der Gesetzesumsetzung (wer würde, wenn es kein Strafmandat gäbe, sich schon an Kurzparkzonen halten?). Fakt ist aber: Mütter dürfen Besuchszeiten ignorieren, ohne eine Strafe zu erhalten. Das ist schon fast wie die Ermunterung zur Straftat.

Aus dem Vater wird ein Besucher

Wenn aus Vätern Besucher werden, darf man sich nicht wundern, dass sie es nicht schaffen, der Elternrolle gerecht zu werden!

Bitte auch nicht auf die Großeltern vergessen: Einerseits sollen die verschiedenen Generationen im Miteinander eine Selbstverständlichkeit sein, andererseits kommt das den Kindern auch sehr zugute: je mehr Augen, desto sicherer. Je mehr Lebensmodelle und Erfahrungen ein Kind aber so auch mitbekommt, desto eher findet das Kind dann auch das richtige für sich selbst.

Daher sollen bei so einer Diskussion die Betroffenen an den Tisch geholt werden, und es darf nicht von irgendwelchen Politikern aus irgendeiner verkannten Ideologie heraus ein Gesetz aufgepfropft werden.

PAS - das elterliche Entfremdungssysndrom

Für mich ist es erschreckend, dass Personen, die hierzulande tagtäglich mit dieser Materie zu tun haben (z. B. beim Jugendamt), nicht einmal wissen, was das ist. PAS ist eine Erkrankung des Kindes (ähnlich dem Stockholmsyndrom), die aufgrund der erzwungenen Trennung von einem Elternteil hervorgerufen wird und diese Personen oft ihr Leben lang beeinträchtigt.

In etlichen Ländern gilt das Verursachen von PAS als Körperverletzung und daher als Straftat. So auch in Brasilien, Österreich ist in dieser Hinsicht ein echtes Entwicklungsland. Hier könnte man wieder einmal anführen, dass Tiere häufig einen höheren Stellenwert in unserer Gesellschaft haben als Kinder und auch besser geschützt werden. So wurden zwar nach langem Kampf Kinderrechte in die Verfassung aufgenommen - aber natürlich wieder nicht alle, sondern nur die, die bequem waren.

Es ist schwer, in diesem Rahmen alle Aspekte darzulegen. Was ich möchte, ist, eine ehrliche, offene Diskussion anzuregen. Ich wünsche mir, dass wir damit zeigen, dass wir hier in Österreich die demokratische Reife haben, die wir gerne anderen Ländern absprechen.

Klar, das ist nicht mit einem kleinen Artikel getan. Es soll aber auch andere zum Mitreden ermuntern, damit nicht die Politiker alleine über unsere Köpfe hinweg alle Entscheidungen treffen. (Leserkommentar, Robert Fuchs, derStandard.at, 23.4.2012)

Autor

Robert Fuchs lebt in Wien und ist Vater von zwei Kindern, die er seit sechseinhalb Jahren nicht mehr sehen kann.

Links

vaeter-ohne-rechte.at

maennerpartei.at

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