ORF-Studie: Facebook-Verbot "schlichtweg unsinnig"

16. April 2012, 16:59
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Studienautor Mayer-Schönberger kritisiert Politik: "Fehlendes Verständnis für das Internet"

Wien - "Schlichtweg unsinnig" seien die derzeit geltenden Beschränkungen des ORF in Social Media, erklärt eine Studie über die "Rolle öffentlich-rechtlicher Medien im Internet", die der ORF bei Viktor Mayer-Schönberger und Attila Marton von der Oxford University in Auftrag gegeben hat. Das geltende Gesetz, das dem ORF verbietet, soziale Netzwerke zu nutzen, "beschränkt die Öffentlich-Rechtlichen in einer crossmedialen Welt auf einen konventionellen Medienstrom", so Mayer-Schönberger. Das sei "bildlich gesprochen, als würde man öffentlich-rechtlichen Medien in Zeiten des Farbfernsehens vorschreiben, nur schwarz-weiß zu senden." Dies sei "wirtschaftlich absurd" und demokratiepolitischer Unsinn, erklärt der Studienautor.

Auch Kritik an zeitlicher Befristung

Das Grundproblem ortet Mayer-Schönberger im "fehlenden Verständnis der Politik für das Internet selbst" und der Rolle, die den öffentlich-rechtlichen Sendern für ihre Netzaktivitäten zugeordnet wird. Als absurd bezeichnete der Studienautor bei der Präsentation der Ergebnisse in Wien die gesetzliche Regelung, dass nur sendungsbegleitende Inhalte und diese nur zeitlich befristet im Internet angeboten werden dürfen. Schließlich sei es ein Kernelement des Internets, dass Inhalte langfristig vorhanden und zugänglich sind. Auch der Leiter der Fachhochschule für Journalismus und Medienmanagement in Wien, Reinhard Christl, kritisierte zeitliche und quantitative Beschränkungen im Internet als "sinnlos und bizarr".

Digitale Navigation à la Öffentlich-Rechtlich

Digitale Navigationshilfen wie Google würden "uns nur das zeigen, was wir auch sehen wollen und nicht dazu beitragen, dass wir unsere Meinung überdenken". Public Value im Internet müsse aber heißen, dass man eine neue Form der digitalen Navigation anbietet, um die Welt auch im öffentlich-rechtlichen Sinn so zu zeigen, wie sie ist, so Mayer-Schönberger. Weiters müsste den öffentlich-rechtlichen Sendern die Kommunikation mit den Usern erlaubt sein und damit die Generierung von Inhalten.

Public Value im Internet

Die Politik forderte Mayer-Schönberger auf, "die geltenden Beschränkungen dringend zu überdenken - sie sind schlichtweg unsinnig".

Gleiches attestierte auch der Salzburger Kommunikationswissenschafter Roman Hummel, der auf den Versorgungsauftrag des ORF verwies. "Wenn der ORF die Verpflichtung hat, in der Öffentlichkeit gehört zu werden, dann muss er auch die Berechtigung haben, in den neuen Medien tätig zu sein." 

Kritik an KommAustria

Mayer-Schönberger nimmt auch die Regulierungsbehörde KommAustria in die Pflicht: Sie dürfe nicht nur die Vorgaben des Gesetzgebers überwachen, sondern Feedback über Effektivität und Effizienz des Regulierungsrahmens leisten. Und die öffentlich-rechtlichen Medien selbst müssten ihre Strukturen und Prozesse dahingehend anpassen, dass sie - sobald die Internet-Beschränkungen fallen - "ihre gesamtpolitische Aufgabe im Sinne von Public Value gerade auch im Internet und crossmedial erfüllen".

Roberto Suárez Candel: "Bürokratischen Albtraum"

Roberto Suárez Candel vom Hamburger Bredow-Institut sprach von einem "bürokratischen Albtraum", wie Behörden neue Angebote prüfen müssen, ob sie Gebührengeld rechtfertigen. "Die Evaluierung kostet mehr als die Angebote." Vorabtests könnten Innovationen verhindern.

Der Schweizer Medienwissenschafter Kurt Imhof plädierte für eine Förderung von Qualitätsjournalismus.

Wrabetz fühlt sich bestätigt

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, der 2010 die Social-Media-Beschränkungen mitverhandelt hat, fühlt sich von den Studienergebnissen nun bestätigt. "Die wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen nun die Position des ORF, auf allen Plattformen, also auch im Internet, die Österreicher mit Content und Programm zu versorgen." (APA/red, 16.4.2012/fid)

  • Position des ORF bestätigt: ORF-Chef Wrabetz gefällt das.
    foto: derstandard.at

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