SCO entzieht IBM Unix-Lizenz

17. Juni 2003, 12:18
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Beanstandeter Code soll sich unter anderem in IBMs Dateisystem JFS befinden – Apple, Microsoft und FreeBSD könnten weitere Ziele von SCO-Klagen werden

Nachdem am 13. Juni die Frist, die SCO IBM gesetzt hatte um neue Lizenzvereinbarungen für das kommerzielle Unix-Derivat AIX einzugehen, verstrichen ist, haben die Ereignisse weiter an Brisanz gewonnen: So hat SCO nun vor einem Bundesgericht im Bundesstaat Utah beantragt, dass IBM die Lizenz für AIX entzogen wird.

Mehr Geld

Gleichzeitig wurde die Schadensersatzforderung für die behauptete Integration von Unix-Code in den Linux-Kernel auf drei Milliarden US-Dollar erhöht. IBM bleibt weiter auf dem Standpunkt, dass die Lizenz gar nicht entzogen werden kann, sowie dass es keine Lizenzverstöße gebe.

Vorwurf

In dem Strafantrag wird auch explizit Linus Torvalds vorgeworfen, dass er es zugelassen habe, dass propietärer Code in den Linux-Kernel wandert. Erstmals wird in dem Zusammenhang auch ein konkreter Vorwurf geäußert: So habe IBM das sogenannte Remote Copy Update (RCU), das Speicherengpässe auf Multiprozessorsystemen beseitigen soll, illegalerweise auf Unix-Code aufgebaut. Der entsprechende Copyright-Hinweis im Linux Kernel enthalte sogar den Zusatz "based on original DYNIX/ptx code (released by IBM under GPL)", dies beweise, dass der Code auf kommerziellen Unix-Bestandteilen beruhe. RCU wurde mit der Version 2.5.43 unter der Verantwortung von Linus Torvalds in den Kernel integriert.

Weitere Beanstandungen

Im Gespräch mit dem BYTE-Magazin hat SCO-Chef Chris Sontag unterdessen weitere Details enthüllt: So sei beanstandeter Code auch in IBMs Dateisystem JFs, im NUMA (Non Uniform Memory Access) und im SMP (Symmetrical Multi-Processing)enthalten.

Einer gegen alle

Weiters schloss Sontag auch ein Vorgehen gegen andere Firmen und Betriebssysteme nicht aus: Man gehe davon aus, dass alle Unix-artigen Betriebsysteme auf UNIX System V – und damit auf geistigem Eigentum von SCO – beruhen, die Zukunft werde zeigen, ob es hier auch Beanstandungen geben wird.

Niemand ist sicher

Davon betroffen wären nicht nur die verschiedenen BSD-Implementationen, sondern auch die Systeme von Apple und Microsoft. Die Lizenzvereinbarung, die Microsoft mit SCO eingegangen ist (der Webstandard berichtete), beziehe sich nur auf ein "Application Layer Interface", ein vollständiges Lizenzabkommen gebe es hingegen nicht.

Die Ausnahme

Die einzige Firma, die eine korrekte Lizenzvereinbarung mit SCO habe, sei der Computerhersteller SUN, so Sontag weiter. Dieser versucht mittlerweile auch Kapital aus der Verwirrung rund um den Rechtsstreit zu schlagen: Mit einer neuen Werbekampagne sollen AIX-Kunden für SUNs eigene Unix-Version Solaris gewonnen werden. Entsprechende Inserate sollen gezielt auf die unsichere rechtliche Natur von AIX – und die dadurch entstehende potentielle Gefährdung für KundInnen – hinweisen.

Exportbestimmungen

Unterstützung erhofft sich Sontag auch von der US-amerikanischen Regierung, da durch die Integration von Unix-Code in den Linux-Kernel Exportbestimmungen ignoriert worden seien. So seien militärisch interessante Technologien in Länder wie Syrien, Libyen und Nord-Korea gelangt. (apo)

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    SCO legt sich mit vielen grossen Gegnern gleichzeitig an...

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