Nachfrage nach jungen Prostituierten steigt bundesweit

2. April 2012, 18:45
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Mit "Lookalike" -Dokumenten von Älteren werden Minderjährige nach Österreich gebracht

Wien - Die Nachfrage nach besonders jungen Prostituierten steige bundesweit, sagt Gerald Tatzgern vom Bundeskriminalamt. "Übrigens auch für junge Burschen". Er leitet die Zentralstelle Menschenhandel und Schleppereibekämpfung. Weil die Preise im Gewerbe ins Bodenlose fallen, hätten Kriminelle Gruppierungen nur zwei Möglichkeiten der Gewinnmaximierung: Viele Frauen oder Minderjährige. Mit "Lookalike" -Dokumenten von Älteren werden sie nach Österreich gebracht.

In Wien sind auch ein halbes Jahr nach Inkrafttreten des neuen Prostitutionsgesetzes viele Fragen offen. Etwa die nach Erlaubniszonen für den Straßenstrich. Drei wurden vorgeschlagen, alle Bezirke lehnten ab. Seither ist nur mehr ein Abschnitt im Wiener Prater zulässig. Der Leopoldstädter Bezirksvorsteher Gerhard Kubik (SPÖ) läuft nun Sturm und will zumindest eine zeitliche Einschränkung erkämpfen. Noch lieber wäre ihm ein gänzliches Verbot der Straßenprostitution, sollten andere Bezirke keine Abschnitte freigeben.

Mit der de facto Verbannung des Straßenstrichs habe sich die illegale Wohnungsprostitution verstärkt, sagt Birgit Hebein von den Wiener Grünen. Dieser Eindruck wird aus Ermittlerkreisen bestätigt. Die " Indoor-Prostitution" erschwere es, Missbrauch aufzudecken. "Dort sind die Frauen weder für Polizei, noch für Streetworker erreichbar", klagt Hebein. Viele versuchten sich nun über Annoncen direkt anzubieten. Dass sie mit dem neuen Gesetz in andere Länder verschwinden würden, sei für Hebein "reines Wunschdenken". (juh, DER STANDARD, 3.4.2012)

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